Autor: Paul Hermann (Seite 1 von 3)

Noch 57 Tage – Was ist eigentlich dieses QLab?

Ein weiterer (und möglicherweise der letzte) Beitrag der beliebten Serie “Komplexe Technik – Einfach erklärt” befasst sich mit der Software “QLab” der Firma “figure 53”.

Wenn wir bei Musicals Audios oder Videos einspielen, wollen wir das nicht mit dem Windows Media Player tun, da es dort irgendwann schwierig wird, zeitlich genau auf die Musik abgestimmt Reihenfolgen einzuhalten (ganz davon abgesehen, dass wir nicht wollen, dass man Ränder sieht, wie ein Video mit dem Klick auf den Playbutton gestartet wird).
Entsprechend muss eine professionelle Software her, die das für uns übernehmen kann.
Glücklicherweise hat sich der Musikförderverein vor einiger Zeit (nach “Natürlich Blond” drei Lizenzen für die Software QLab gekauft, welche auch in vielen Theatern oder bei anderen Veranstaltungen häufig zu finden ist.

QLab ist im wesentlichen eine Software, die es ermöglicht, Sounds einzuspielen, Videos abzuspielen und gleichzeitig noch andere Geräte wie das Lichtpult zu steuern. Dabei werden alle programmierten Aktionen in eine Zeitleiste gebracht, sodass man nur noch mit einem Go-Button die jeweils nächste Aktion aufrufen muss. Dies ermöglicht es, auch schwierige und schnelle zeitliche Abfolgen von Video, Audio und Licht in Einklang zu bringen und bei jeder Aufführung problemlos wiederzugeben.

Um nicht zu viel zu verraten, nehmen wir ein Beispiel aus dem letzten Teil der Käpt’n Chaos Reihe und nicht aus Whistle down the Wind. Spannend ist es dort allerdings auch, da wir 951 verschiedene Aktionen (“Cues”) in der Datei des Projektes programmiert hatten.

Auf dem Foto ist die Programmierung für Szene 11 zu sehen. Am Anfang stehen zwei Cues für das Licht, welche an das Lichtpult weitergeleitet werden. Danach folgt eine Gruppe für das Video vom Schlosshof. Nach diesem Cue folgen ein eingespieltes Audiocue von Käpt’n Charon mit den Worten “Frag besser nicht!” und ein Audiocue eines Wasserplatschens. Zum Schluss folgt ein Spiel verloren Signal, welches aus einer Kombination aus Lichtcue (alles rot), einem Audiocue (Spiel verloren Sound) und einem Videocue (Video beenden) besteht.
Diese gesamten Aktionen kann der Techniker auslösen, indem er in dieser Szene insgesamt sieben mal die Leertaste drückt. Bei Whistle down the Wind wird es allerdings auch Songs geben, bei denen teilweise in jedem Takt eine oder mehrere Aktionen ausgelöst werden müssen. Teilweise lässt sich das automatisch machen, was aber dann erfordert, dass das Orchester eine feste Geschwindigkeit mithilfe eines Metronoms auf Kopfhörern spielt. Falls das nicht machbar ist, muss es von Hand gedrückt werden, was unser Probenpianist seit Fame macht.

Noch 60 Tage – Statistiken zur Technik

In zwei Monaten findet die Premiere statt. Damit ist es eindeutig an der Zeit, einige Statistiken über die Technik herauszubringen!


Gewicht


Wie viel wiegt die (hängende) Technik?

Für große Musicals werden große Mengen an Technik benötigt. Für alles, was in der Luft hängt (was “geflogen” wird), muss genau klar sein, wie viel es wiegt, um keine Probleme mit der Statik zu bekommen. Aufgeteilt wiegen die Bereiche Licht, Ton und Video (+ Traversen) so viel in Kilogramm:


Strom

Insgesamt werden von uns bei maximaler Leistung voraussichtlich 40 kW an Strom verbraucht, was vergleichbar mit 280 Glühlampen ist. Das ist allerdings nahezu nie der Fall, da dazu sowohl Scheinwerfer als auch Lautsprecher und alles weitere auf voller Leistung laufen müsste.

Damit verbrauchen wir 20% weniger Strom als bei Natürlich Blond.

Dies kommt zustande, da wir in großen Mengen LED Scheinwerfer einsetzen. Dafür muss zwar etwas mehr Geld in die Hand genommen werden, allerdings sparen wir dafür aber im direkten Vergleich zu den Scheinwerfern mit konventionellen Leuchtmitteln bis zu 90% an Strom.


Länge


Länge der Kabel insgesamt

2500m


Länge der Traversen insgesamt:

63m


Größe

Für die Produktion wurden insgesamt 150m² Stoff im Bühnenbild verbaut!

Um das Projekt zu planen und umzusetzen sind bisher insgesamt 300GB an Daten angefallen, welche hauptsächlich durch aufwendige Tonmitschnitte anfallen. Unser zentraler Produktionsordner mit sämtlichen wichtigen Planungsdaten umfasst inzwischen 30GB an Speicher!


Dauer

Die Videoinhalte haben insgesamt zum Rendern 90 Stunden gebraucht. Die Suche nach den richtigen Locations für die Videos hat vor 15 Monaten angefangen und die Planung des Musicals hat bereits vor 20 Monaten begonnen!


Anzahl

Die Technik spricht immer wieder von sogenannten “Cues”. Dabei handelt es sich in der Lichttechnik um einzelne Lichtstimmungen, bei der Tontechnik um gespeicherte Mischeinstellungen und beim Video und Zuspielungen (über QLab) um Aktionen und Änderungen an abzuspielenden Dateien. Insgesamt wurden bisher 400 Cues programmiert, welche sich folgendermaßen auf die Abteilungen aufteilen. Allerdings sind wir mit der Programmierung erst bei der Hälfte von Akt 1 angekommen.


Anzahl Tontechnik Eingänge

Insgesamt kommen 50 Kanäle in unserem Tonpult an, welche folgendermaßen zusammengesetzt sind:


Anzahl Scheinwerfer im Vergleich über die Jahre

Eine hohe Anzahl an Scheinwerfern bedeutet nicht unbedingt ein gutes Lichtdesign, allerdings ist es auf jeden Fall technisch aufwendiger. Hier sieht man die Entwicklung über die letzten Projekte hinweg:


Noch 66 Tage – Rückblick auf die Schultechnik

Das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium besitzt inzwischen eine große Menge an Veranstaltungstechnik, mit welcher die immer größer werdenden Veranstaltungen angemessen unterstützt werden können. Das war allerdings nicht immer so. Ich kam vor knapp zehn Jahren an diese Schule und habe seitdem die Entwicklung der Veranstaltungstechnik am LLG aktiv mitgestaltet und versuche einen kleinen Überblick über diesen Zeitraum zu geben.

2009 & 2010

Juni 2009 wird der erste Teil der vom Musiklehrer Johannes Adamietz geschriebenen Unterstufenmusical-Reihe “Käpt’n Chaos” aufgeführt. Ab sofort wird jährlich ein Teil dieser Musicalreihe aufgeführt (welche im September dieses Jahres übrigens ihr großes zehnjähriges Jubiläum mit dem neuen Teil und einer Käpt’n Chaos Gala feiert).
An Technik ist kaum etwas vorhanden: Eine Handvoll Scheinwerfer, ein altes analoges Tonmischpult, und einige kleinere Lautsprecher werden eingesetzt.
Neben den Musikern nutzen auch noch die Darstellendes Spiel Gruppe und einige weitere kleine Veranstaltungen diese Technik.
Verantwortlich dafür sind Oberstufenschüler, welche jetzt immer noch z.B. bei Whistle down the Wind zu finden sind (z.B. der Probenpianist oder Netzwerktechniker).

2011

Bis 2011 hat sich am Technikbestand nicht viel geändert, allerdings finden sich einige Schüler aus der sechsten Klasse zusammen und gründen mit Johannes Adamietz die “Licht-und-Ton-AG”.
Ab sofort bringen wir uns selbst bei, mit den technischen Gerätschaften umzugehen und sind im September sogar schon teilweise bei “Käpt’n Chaos im Wilden Westen” dabei.
Auch wird in diesem Jahr der Musikförderverein gegründet, welcher später eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der eigenen Technik spielt.

2012

Wie schon im Beitrag zur Käpt’n Chaos Reihe beschrieben, findet der diesjährige Teil der Käpt’n Chaos Reihe erstmalig auf der großen Bühne in der Turnhalle A statt. Sämtliche Technik wird ausnahmslos bei CB Akustik gemietet und Mitglieder der “Licht-und-Ton-AG” sind als Kameramänner für eine DVD Produktion dabei.

2013

Fame! Das erste große Musical wird nach der erfolgreichen Käpt’n Chaos Aufführung auch in Turnhalle A aufgeführt. Es wird wieder die komplette Technik gemietet.

Der Arbeitsplatz der Techniker bei “Fame”

2014

Jekyll and Hyde! Erstmalig wird für das Musical in eine Technikanschaffung investiert: Das digitale Tonmischpult wird gekauft. Dies bietet den Schülern ab sofort die Möglichkeit, den Umgang mit dem Mischpult auch außerhalb von großen Projekten in Ruhe zu erlernen. Um das zu unterstützen, gibt unser Tontechniker Niels Dietrich in der Projektwoche einen Workshop zu dem Pult für Interessierte.

Das neue Tonpult (sogar noch mit Schutzfolie auf dem Bildschirm)

2015

Der Musikförderverein tätigt einige größere Anschaffungen mit Unterstützung der Schule. Eine Beschallungsanlage, die auch für große Musicals geeignet ist und neue motorisiert bewegte Scheinwerfer (“Movingheads”) werden unter Anderem angeschafft.
Auch startet neben “Käpt’n Chaos” als Unterstufenmusical noch das jährliche Mittelstufenmusical.
Zusätzlich wird eine zweite Licht-und-Ton-AG gegründet, welche jüngeren Schülern die Technik näher bringt.

Die Techniklieferung
Käpt’n Chaos – Staatsfeind wider Willen

2016

Der Technikbestand reicht jetzt auch um größere Veranstaltungen zu versorgen. Auch Sommerkonzerte und Weiteres werden von der Licht-und-Ton-AG technisch umgesetzt während mit Käpt’n Chaos und dem Mittelstufenmusical viele Möglichkeiten für uns bestehen, Erfahrungen zu gewinnen und Ideen umzusetzen.
Während “Natürlich Blond” kann schon in der Tontechnik einiges der eigenen Technik genutzt werden. Auch entdeckt dort die Licht-und-Ton-AG (kurz: LiTo) ihre große Liebe: Konfettikanonen.

Konfetti!

2017

Langsam wird es im alten Technikraum, einem kleinen Lager hinter einem Klassenraum, deutlich zu eng. Ein neuer Raum muss her und die Schulleitung macht kurzerhand einen Klassenraum zum Technikraum. Damit ist es ab sofort möglich, alles von Tonstudios über kleine Testaufbauten bis hin zum Greenscreenstudio in einem eigenen Raum aufzubauen und beliebig lange stehen zu lassen (und natürlich Technik erreichbar zu lagern), was viele neue Möglichkeiten eröffnet. Zusätzlich wird wieder viel in Technik investiert: einiges an Tontechnik aber auch Licht- und Videotechnik wird angeschafft und einige Macbooks werden zum Steuern gekauft. Auch steigt das technische Niveau von Käpt’n Chaos mit jedem Jahr stark an (Wer alle Käpt’n Chaos DVDs besitzt, kann dies überprüfen).

Ein Videodreh für “Käpt’n Chaos – und wenn sie nicht gestorben sind” für ein imaginäres Produkt im neuen Technikraum
Die Aftershowparty des Sommerkonzerts vom Fachbereich Musik

2018

Dieses Jahr wird viel neue Technik gekauft. Dabei wird zum einen viel vom Musikförderverein speziell für die Musicals gekauft (z.B. das neue Lichtpult, die Dot2), die Schule selbst stellt aber auch Gelder zur Verfügung, um Technik zu kaufen, welche allgemein für Schulveranstaltungen genutzt werden kann. Dadurch bekommen die jungen Mitglieder der LiTo immer mehr Möglichkeiten, sich Wissen anzueignen und kümmern sich um die unterschiedlichsten Veranstaltungen.
Inzwischen gehören über 20 Leute zum LiTo-Team und zeigen mit “Käpt’n Chaos – und wenn sie nicht gestorben sind”, was alles mit eigener Technik machbar ist.
Es werden komplexe 3D-Planungen, aufwändige Videodrehs, große Lichtdesigns, effektvolle Tontechnik und große Mengen an Konfettiabschüssen für Käpt’n Chaos genutzt.
Der Kreativität sind durch die Technik keine Grenzen gesetzt.
Dadurch passiert es dann auch mal schnell, dass ein gesamter Song aus Käpt’n Chaos in einem Tonstudio produziert wird und jetzt auf Spotify verfügbar ist (“Der Wind” von Katrin Schwalb).

“Fairy Tales Next Topmodel” (kurz FNTM) im achten Käpt’n Chaos Teil

2019

Weiterhin werden auch in Vorbereitung auf “Whistle down the Wind” viele Anschaffungen getätigt, welche aber auch gleichzeitig Mittelstufenmusicals und Unterstufenmusicals sowie anderen Veranstaltungen am LLG ein höheres technisches Niveau ermöglichen, da dort meistens keine großen Budgets zur Technikmiete bereitstehen. Auch lernen immer mehr Schüler begeistert den Umgang mit der Technik und sind teilweise im April bereits bei ihrem ersten großen Musical dabei.
Wir selbst sind gespannt, wie die Entwicklungen weitergehen und dankbar, dass uns der Weg bis zu diesem Punkt ermöglicht wurde.
Als nächstes großes Projekt steht der Bau einer Multifunktionshalle für unsere Veranstaltungen an …

Noch 71 Tage – Einblicke in die Videoaufnahmen

Wie bereits im Artikel über die Videotechnik angedeutet, müssen sämtliche Videoinhalte für das Musical erst einmal produziert werden. Dabei kann es sich um echte Fotos und Videos handeln, komplett am Computer generierte Inhalte sind aber auch mit dabei.

Der erste Schritt für die Produktion der Videoinhalte (“Videocontent”) bestand wie so oft darin, eine Tabelle mit Szenen anzulegen und durchzugehen, was in welcher Szene an welcher Stelle wie benötigt wird. Dabei war es meistens schon klar, ob der entsprechende Videocontent in echt gefilmt wird oder am Computer generiert wird.
Für alle Video- und Fotoaufnahmen, welche fotografiert oder gefilmt werden mussten, war der erste Schritt, den richtigen Ort zu finden. Das ist tatsächlich aufwändiger, als es klingt (Locationscouting).

Locationscouting in einem Wald im Salzbödetal

Auch eine große Herausforderung war eine Videoaufnahme, welche im Schnee stattfinden musste. So kam es, dass im Winter 2017 der technische Leiter (damals noch ohne Führerschein) spontan die tontechnische Leitung anrief, dieser nach 30 Minuten einsatzbereit mit dem Auto vorfuhr und beide nach einer Location für den Dreh suchten. Aufgrund von Glatteis ging es leider nicht sehr schnell voran und nach wenigen Kilometern wurde es bereits dunkel, weswegen sich kurzfristig für eine Strecke vor Wismar entschieden wurde.
Diesen Winter war jedoch die Vorbereitung besser: Es wurde eine WhatsApp-Gruppe mit sechs Mitgliedern gegründet, welche das Ziel verfolgte, die provisorischen Videoaufnahmen des letzten Winters zu überbieten. Es wurde nach einer schönen Strecke gesucht, welche im Salzbödetal gefunden wurde und die Wettervorhersagen wurden täglich verfolgt.
Als es dann letztendlich komplett unvorhergesehen schneite, nahm der technische Leiter kurzfristig seine Schwester mit und filmte mit ihr die entsprechenden Aufnahmen.
Das nachträgliche Hinzufügen von virtuell fallendem Schnee zu dem Aufnahmen war allerdings mit über 30h Renderzeit kein Vergnügen…

Der Videodreh im Schnee, im Hintergrund wird die Musik der entsprechenden Szene mitgesungen

Entspannter war es bei der Aufnahme einer einsamen Straße bei Nacht. Trotzdem dauerte es eine Weile, bis der entsprechende Ort im Industriegebiet in Lollar gefunden war und die Aufnahmen gemacht werden konnten.

Fotoaufnahmen an einer einsamen Straße in Lollar
Wenn es außerhalb vom Auto zu kalt ist, fliegt man die Drohne für die Landschaftsaufnahmen einfach aus dem Auto heraus

Noch 74 Tage – Die Videotechnik

Vielleicht fragt man sich bei dem Stück “Whistle down the Wind” nach dem gestrigen Einblick in die Handlung, wofür denn umfangreiche Videotechik benötigt wird. Ohne zu viel zu verraten: Es gibt einige Szenen, in denen effektvoll Video eingesetzt werden wird. Um nur eine davon anzudeuten: Kurz nach der Pause gibt es eine Motorradfahrt, welche offiziell die Lieblingsszene von einem Großteil des Technikteams ist…

Aber was macht die Videotechnik eigentlich?

Am häufigsten werden von der Videotechnik Projektionen in das Bühnenbild integriert, welche das Schauspiel unterstützen. Der Einsatz der Videotechnik ist, im Gegensatz zum Licht, immer sehr abhängig von der jeweiligen Inszenierung. Vieles geht auch ohne Video, allerdings werden durch Video auch viele neue Möglichkeiten geschaffen.

Bisher wurden bei uns Projektionen nur bei Fame und dem vierten Teil der Käpt’n Chaos Reihe umfangreich eingesetzt, dort aber jeweils auch nur, um auf die Rückwand (den Backdrop) szenisch passende Bilder zu projizieren.

Projektionen im Hintergrund bei “Fame”

Bei Whistle down the Wind wird es auch Projektionen auf den Backdrop geben, allerdings versuchen wir dieses Jahr auch erstmals etwas Neues. Wir werden einen großen, halbtransparenten Stoff einsetzen, auf welchen projiziert werden kann. Dadurch können nicht nur hinter, sondern auch vor den Darstellern Videoinhalte angezeigt werden. Für besagte Effektszenen wird es dadurch einige interessante Möglichkeiten geben, worauf wir inzwischen sehr gespannt sind.

Um den Effekt dieser zwei Projektionsflächen auszuprobieren, haben wir uns bereits beide Projektionsflächen herunterskaliert im Technikraum aufgebaut, um unsere Videoinhalte darauf ausprobieren zu können.

Das kleine Videoproduktions-Studio im Technikraum

Diese Videoinhalte müssen allerdings auch erst produziert werden, womit sich nächste Woche noch ein anderer Beitrag befassen wird.

Neben den für die Zuschauer sichtbaren Videos gibt es noch eine weitere Aufgabe für die Videotechnik: Der Dirigent muss die Bühne sehen und die Bühne muss den Dirigenten sehen. Dafür werden Kameras und Monitore installiert, welche möglichst verzögerungsfrei sein müssen. Freundlicherweise stellt uns die Musicalgruppe Wetzlar dieses Equipment zur Verfügung und eine unmittelbare Übertragung von Dirigent und Bühne ist sichergestellt.

Noch 77 Tage – Einblick SFX

Unsere Techniker wären nicht unsere Techniker, wenn sie keine Möglichkeit finden würden, diverse Spezialeffekte im Musical zu nutzen.

Bei “Natürlich Blond” fing die Begeisterung für Spezialeffekte – insbesondere Konfetti – an, nachdem bei jeder Aufführung ein Rohr mit goldenem Konfetti auf den Schlusston abgeschossen wurde.

Nach dieser sehr prägenden Erfahrung wurde Konfetti direkt auch in “Käpt’n Chaos – und wenn sie nicht gestorben sind” eingesetzt, was, außer bei den Beteiligten, die zwischen den Aufführungen reinigen mussten, sehr gut ankam. Manchmal passiert es immer noch, dass in Aula E plötzlich einige Konfettistücke von der Decke fallen oder man Zuhause an unerwarteten Orten welche entdeckt. Inzwischen wurde ein neuer Staubsauger angeschafft, um dieses Problem einzudämmen.

Die “Wall of Confetti”, welche aus abgeschossenen Konfettikanonen verschiedener Größen und Arten besteht

Auch, wenn man sich bei einem Stück wie “Whistle down the Wind” vielleicht nicht direkt vorstellen kann, wo Spezialeffekte eingebaut werden sollen, werden welche genutzt. Zugegeben: Wir nutzen keine Flammenwerfer, Indoor-Feuerwerk oder Konfettikanonen, da das leider szenisch nicht ideal passen würde (dafür findet sich sicher für nächstes Jahr noch ein gutes Stück…).
Allerdings gibt es in diesem Stück tatsächlich einige Szenen, in welche wir im Rahmen unserer Inszenierung kleinere Spezialeffekte eingebaut haben.
Die einfachsten Effekte bestehen aus Nebel und Dunst, welche sehr häufig in Musicals genutzt werden.
Dunst macht die Lichtstrahlen sichtbar und ermöglicht so sehr schöne Lichtstimmungen. Nebel verhält sich ähnlich, ist dabei jedoch deutlich dichter, weshalb er aktiv auffällt.

Da wir nicht zu viel verraten wollen, gibt es hier ein kurzes Video eines misslungenen Tests von einem Effekt für Whistle down the Wind:

Am 5. April kann man sich dann auf kleinere, passend eingesetzte Spezialeffekte freuen!

Allerdings wird auch eines Tages sicher wieder Konfetti in größeren Mengen eingesetzt werden. In diesem Sinne freuen wir uns schon sehr auf die Käpt’n Chaos Gala im September! 🎉

Noch 79 Tage – Die Tontechnik

Was macht eigentlich die Tontechnik?

Vielleicht liegen Teile der Antwort schon auf der Hand, allerdings macht die Tontechnik vermutlich Einiges, was nicht jedem bekannt sein sollte.

Grundsätzlich ist das Ziel der Tontechnik, dem Publikum die Sänger und das Orchester gut klingend zu übertragen. Allerdings erfordert dies Einiges an Vorbereitungen und technischen Zusätzen.

Die Mikrofonierung

Es müssen bei Whistle down the Wind über 20 Solisten mit drahtlosen, möglichst wenig sichtbaren Mikrofonen ohne Verzögerung zum Tonpult übertragen werden, was immer eine kleine Herausforderung darstellt, da wir nur 12 Funksender (und Empfänger) für Mikrofone besitzen und nur zwei weitere mieten werden.
Die Lösung: Die Darsteller tauschen ihre Sender, je nachdem wer in der Szene grade etwas zu sagen oder zu singen hat. Damit die Tontechniker aber noch wissen, welcher Darsteller gerade welchen Sender hat, muss dies vorher genau geplant und festgehalten werden. Nur für die Aufgabe des Sender-Tauschens sind immer bis zu zwei Techniker während der gesamten Aufführung im Backstagebereich beschäftigt. Diese beiden Techniker kleben auch allen Darstellern spezielle, hautfarbene Mikrofone an, welche, vom Zuschauerraum betrachtet, recht unauffällig sind. Allerdings ist es auch eine Kunst, diese so anzukleben, dass es gleichzeitig gut hält, den idealen Klang aufnimmt und nicht zu viel Atemgeräusche einfängt.

Die schuleigenen Empfänger der Mikrofon-Funkstrecken

Auch das Orchester benötigt eine umfangreiche Mikrofonierung, damit alles entsprechend abgemischt werden kann und beim Zuschauer ankommt. Dafür wurde bereits eine Sitzprobe mit Orchester voll mikrofoniert, um unter anderem zu testen, welche Mikrofone wofür am besten genutzt werden und mit welcher Positionierung der beste Klang erreicht wird.

Insgesamt kommen wir damit auf 26 Orchestermikrofone und besagte 14 Funksender. Zusätzlich landen im Tonpult später aber noch diverse weitere Eingänge für eingespielte Sounds, Kommunikation zwischen Technik, Dirigenten und Backstage etc.

Die Kisten mit Mikrofonen und Mikrofonsendern

Die Vorbereitung

Die mikrofonierte Sitzprobe hatte auch den Zweck, dass die gesamte Aufführung mit sämtlichen Mikrofonen bereits einmal aufgezeichnet werden konnte, damit die Tontechnik in der Zeit bis zu den Aufführungen bereits mit dieser Aufnahme das Abmischen des Musicals vorbereiten kann und im Tonpult alles vorbereiten kann.
Für jede Musiknummer wurde eine genaue klangliche Vorstellung ausgearbeitet, welche im Tonpult mit Hilfe der Aufnahmen einprogrammiert werden können, um bei der Aufführung später den idealen Mix für jede Nummer per Knopfdruck abrufen zu können.
Auch wurde in einen Klavierauszug jedes noch so kleine, für die Tontechnik relevante Detail, vom Solo über dynamische Änderungen bis hin zu Texteinsätzen von Darstellern eingetragen.

Die Beschallung

Auch die Beschallung muss vorher geplant werden, damit später an jedem Sitzplatz ein guter Klang ankommt. Diesbezüglich konnte zur Berechnung der Schallabdeckung die 3D-Planung genutzt werden. Wir werden zur Hauptbeschallung ein von uns angeschafftes Beschallungssystem nutzen, welches erstmalig bei Natürlich Blond mit sehr zufriedenstellenden Ergebnissen eingesetzt wurde.
Neben den Zuschauern müssen aber auch die Darsteller etwas hören, um passend zur Musik zu singen. Entsprechend gibt es auch auf der Bühne versteckt Lautsprecher, welche die Darsteller beschallen.
Das Orchester nutzt Kopfhörer, um auf Instrumentengruppen zugeschnittene Abmischungen direkt zu hören.

Live

Live hat die Tontechnik hauptsächlich die Aufgabe, die vorprogrammierten Musiknummern im Tonpult zur richtigen Zeit aufzurufen und nachzujustieren. Zusätzlich müssen aber auch die Mikrofone der Darsteller zur richtigen Zeit an- und ausgeschaltet werden, Instrumente müssen bei Solis angepasst werden oder die Gesamtlautstärke von Sängern und Orchester muss jeweils passend zur Szene variiert werden (z.B. wird bei sogenannten Underscores im Vordergrund geredet, während das Orchester leise im Hintergrund spielt).
Die Arbeit der Tontechniker fängt aber auch schon einige Stunden vor Beginn der Vorstellung an, da sämtliche Systeme hochgefahren werden müssen und vor allem Soundchecks für Sänger, Soundchecks für Orchester und gemeinsame Soundchecks durchgeführt werden müssen.

Das schuleigene Tonpult im Einsatz bei einer Schulveranstaltung

Noch 83 Tage – Die Keyboardprogrammierung

Keyboardprogrammierung? Was ist das und wozu braucht man das?

Diese Frage kann hoffentlich mit diesem Beitrag der Kategorie “Komplexe Technik – leicht erklärt” beantwortet werden.

Keyboarder und Techniker im Einsatz beim Programmieren von drei Kronos und dem Xylosynth

Viele Musicals beinhalten oftmals umfangreiche Arrangements für viele Instrumente, für die sich im Schulumfeld aber oftmals niemand findet, der sie spielen kann, welche zu groß für den Orchestergraben sind (umfangreiche Percussionssets, Kirchenorgeln …) oder welche einfach zu teuer sind, um sie für wenige Takte zu kaufen oder zu leihen.

Entsprechend gibt es bei manchen Musicals bereits vom Verlag verschiedene Orchesterbesetzungen, zwischen denen man wählen kann. Zusätzlich werden aber auch häufig viele Instrumente in Keyboardstimmen ausgelagert, was z.B. bei “Whistle down the Wind” in drei Keyboards resultiert. Dabei spielt das erste Keyboard hauptsächlich Klaviersounds, das zweite und dritte hingegen spielen von Orgel über Triangeln bis hin zu Streichern und Mundharmonika nahezu alles. Oft kommt es auch vor, dass ein Keyboard auf verschiedenen Klaviaturbereichen unterschiedliche Sounds gleichzeitig spielt.

Da für Keyboard II und Keyboard III jeweils mehrere hundert verschiedene Klänge benötigt werden, müssen diese entsprechend einprogrammiert werden. Dazu wurde vor kurzem in eine “Korg Kronos 88” Keyboard Workstation investiert. Das ist im Wesentlichen ein Keyboard mit integriertem Computer und nahezu unendlich vielen kombinierbaren Sounds. Dieser und zwei Weitere (von Keyboardern geliehene) werden unter Anderem heute vorprogrammiert. Dabei werden passende Sounds ausgewählt, angepasst und zusammengestellt, um diese danach aneinanderzureihen (in eine Setlist hinzuzufügen).

Drei “Korg Kronos” im Einsatz bei “Jekyll and Hyde”

Später können die Keyboarder dann live bequem über einen Fußschalter oder den Touchscreen des Keyboards durch die Sounds schalten und spielen immer zur richtigen Zeit den richtigen Sound.

Neben Keyboards kommt es zusätzlich noch dazu, dass weitere virtuelle Instrumente programmiert werden müssen. Unter Anderem besitzt die LLG Musical Company ein digitales Saxophon (Roland AE-10G Aerophone) womit nicht nur diverse Bläserklänge sehr realistisch klingend gespielt werden können, sondern auch Streicher oder beliebige andere Instrumente gut klingend gespielt werden können. Zusätzlich besitzen wir noch ein “Xylosynth”, ein digitales Xylophon, welches wir z.B. für virtuelle Pauken nutzen, wenn unsere echten Pauken zu groß sind und ein Roland E-Drum Set, um hochwertige virtuelle Drumsounds zu spielen.

Der Xylosynth (ersetzt häufig die im Hintergrund stehenden Pauken)

Noch 92 Tage – 3D Planung

Vom Bühnenbild über die Lichttechnik bis hin zur Tontechnik und Videotechnik: alles wurde in diesem Jahr erstmalig umfangreich in 3D-Softwares geplant. Das war sehr aufwendig, brachte aber auch viele Vorteile mit sich.

Bühnenbild

Eine wichtige Anwendung für die 3D Planung war die Planung des Bühnenbildes. Bevor in den Baumarkt gefahren werden konnte, um alle notwendigen Teile einzukaufen und mit dem Bauen zu beginnen, musste natürlich erst ein Plan her. Dabei bot es sich an, das ganze Bühnenbild dreidimensional zu zeichnen, da es dann bereits virtuell vorgeführt werden konnte, um es den Vorstellungen der Regie genau anzupassen. Zusätzlich konnte das Bühnenbildbau-Team oftmals auf die Zeichnungen zurückgreifen, um zu schauen, welche Tapete am besten passt oder an welcher Stelle ein Regal angebracht werden muss.

Lichttechnik & Videotechnik

Bei der Lichttechnik und Videotechnik verhält es sich ähnlich wie beim Bühnenbild: Auch hier besteht durch spezielle Architektur-Software (Vectorworks) die Möglichkeit, die komplette Bühne in 3D nachzubauen und einen Aufbauplan anzufertigen. Dies dient zum einen als Schnittstelle zur Firma CB-Akustik, bei der die benötigte Technik gemietet wird und als Übersicht für den Aufbau. Auf der anderen Seite können wir diese 3D-Zeichnung auch nutzen, um darin bereits das Licht virtuell mit dem neuen Lichtpult zu programmieren, um der Regie bereits konkrete Eindrücke zu vermitteln und Zeit beim Aufbau zu sparen, da dort dann weniger programmiert werden muss.
Auch bei der Videotechnik war diese Zeichnung hilfreich, um z.B. Objektive für Projektoren zu berechnen oder eine Vorstellung von der Wirkung der Videos auf der Bühne zu gewinnen.


Weitere Bereiche der Planung

Für viele weitere Bereiche war die 3D-Planung auch sehr hilfreich. Unter anderem konnte sehr schnell berechnet werden, wie die Lautsprecher am besten positioniert werden, um für alle Zuschauer einen gleichmäßigen Klang zu erreichen. Es konnte geplant werden, wie wir die Requisiten auf der sehr engen Seitenbühne am besten unterbringen, die Raumbelegungen im Backstagebereich (Umkleiden, Lagerräume etc.) wurden eingezeichnet und viele weitere wichtige Kleinigkeiten konnten mit der Zeichnung geklärt werden.

Was sich für uns aber trotzdem gezeigt hat: Eine Planung in 3D kann keine Ortsbegehung ersetzen. Zwar können wir durch die Zeichnung Vieles ohne Ortsbegehung in der Halle regeln, in die wir aktuell schwer reinkommen, allerdings fallen einige Probleme auch nur vor Ort auf und ein 3D-Plan ist auch immer nur so gut, wie die Informationen, die man über den Ort hat.

Noch 98 Tage – Das neue Lichtpult

Eine wichtige Rolle bei der Inszenierung unserer Musicals spielt auch immer die passende Beleuchtung, damit unsere Darsteller nicht im Dunkeln stehen. Zusätzlich kann durch die Lichttechnik der Fokus des Publikums auf einzelne Punkte gelenkt werden, Stimmungen können untermalt werden oder es können auf der Bühne unterschiedliche Räume geschaffen werden.

Mit den ansteigenden lichttechnischen Anforderungen werden auch immer mehr Scheinwerfer benötigt, welche alle programmiert und zentral gesteuert werden müssen.
Um das oftmals genau auf die Musik abgestimmt und mit großen Mengen an Scheinwerfern effizient hinzubekommen, wurde letztes Jahr beschlossen, mit dem Musikförderverein in ein neues Lichtpult zu investieren.

Nachdem die Licht-und-Ton-AG im April auf der Prolight and Sound Messe in Frankfurt nach einem neuen Lichtpult Ausschau gehalten hat, fiel die Entscheidung recht schnell auf die “Dot 2” der Firma MA Lighting, da dieses Pult trotz hohem Funktionsumfang eine einfache Bedienung bietet. Auch können wir die komplette Planung der Lichttechnik dreidimensional visualisieren, womit sich aber ein weiterer Beitrag noch genauer befassen wird.

Für die bisherigen Projekte wie “Fame”, “Jekyll & Hyde” oder “Natürlich Blond” wurde immer ein Lichtpult gemietet. Der Kauf eines Lichtpultes bietet für uns allerdings die Möglichkeit, auch bei kleineren Projekten wie “Käpt’n Chaos” oder dem Mittelstufenmusical bessere lichttechnische Voraussetzungen zu schaffen und auch jüngeren Schülern der Licht-und-Ton-AG das Erlernen des Pultes zu ermöglichen.

Folgendes Passiert, wenn man die “Delete” + “MA” Tastenkombination drückt
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