Schlagwort: Musical

Noch 91 Tage – Die Qual der Wahl II

Wir fassen zusammen:
Gesucht wird ein Musical mit mehr Frauen- als Männerrollen, einem überschaubaren Orchester und einer gewissen Bekanntheit, für welches die Rechte für Amateure in Deutschland verfügbar sind.
Wie findet man aber heraus, welche Stücke man spielen darf?

In Deutschland gibt es ein paar große Verlage, die Musicals in ihrem Repertoire haben. Unsere bisherigen Stücke (“Fame“, “Jekyll und Hyde” und “Natürlich Blond“) sind alle im Katalog von Musik&Bühne zu finden. “Whistle down the Wind” übrigens auch. Daneben sind Galissas und die Felix Bloch Erben ein guter Ansprechpartner, aber es gibt natürlich noch weitere Anbieter.

Man kann es erahnen, so richtig viele Musicals gibt es nicht, die diesen Kriterien entsprechen und es kommt ein weitere Faktor hinzu, der vielleicht so ehrlich selten angesprochen wird. Wir haben im näheren Umkreis von Gießen drei weitere ambitionierte Amateuergruppen und zwei weitere semiprofessionelle Musicalgruppen, die auf der Suche nach ähnlichen Werken sind. Zumindest Stückdopplungen und Terminkollisionen mit der Musicalgruppe der Goetheschule Wetzlar (aktuelle Produktion: Joseph and the amazing technicolor dreamcoat, Juni 2019), Musical und Kultur Gießen e.V. (früher Herderschule, aktuelle Produktion: All Shook Up, Februar 2019) und dem Musicalchor der evangelischen Kirchengemeinde Treis (aktuelle Produktion: Becky Sharp – Aufstieg einer Mörderin, Oktober 2019) versuchen wir zu vermeiden.

Wenn auch das berücksichtig wurde und man ein paar mögliche Stücke ins Auge gefasst hat, kann man sich Ansichtsmaterial von den Verlagen (meist Textbuch und Klavierauszug) schicken lassen, um das Musical im Detail durchzugehen und auf Singbarkeit für unsere Darstellenden zu überprüfen. Leider gibt es keine Leihpartituren, sodass man auch schon mal zum Verlag fahren muss, um Einsicht in die einzelnen Orchesterstimmen zu nehmen, denn auch diese müssen ja für unsere Musiker spielbar sein.

Wie letztlich die endgültige Entscheidung fällt, kann man gar nicht pauschal sagen. Bei “Fame” waren sich alle einig, dass es das ideale Einstiegsmusical ist, “Jekyll und Hyde” wollte der Regisseur (Martin Spahr) unbedingt machen und “Natürlich Blond” war auf einmal verfügbar und überzeugte vor allem den musikalischen Leiter. Für “Whistle down the Wind” waren letztlich sehr persönliche Gründe ausschlaggebend für die Auswahl, die entweder zu einem späteren Zeitpunkt hier im Blog, allerspätestens aber im Programmheft erläutert werden.

Noch 96 Tage – Die Qual der Wahl I

Die schwierigste Aufgabe vor Beginn eines solchen Projektes ist die Wahl des “richtigen” Musicals. Dabei müssen viele unterschiedliche Anforderungen und Interessen beachtet und zusammengeführt werden, die sich selten vollständig und zufriedenstellend für alle Beteiligten “unter einen Hut” bringen lassen.

Die größte Unbekannte ist dabei der zukünftige Cast. Zum Zeitpunkt der Stückauswahl hat man nur eine ungefähre Vorstellung davon, wer ein Jahr (oder im aktuellen Fall 1,5 Jahre) später auf der Bühne stehen könnte. Erfahrungsgemäß gibt es mehr singende Mädchen als Jungen, sodass es bei der Rollenverteilung wünschenswert ist, mehr weibliche als männliche Rollen im Stück zu haben. Das ist allerdings bei den wenigsten Musicals der Fall und so muss man froh sein, wenn alle männlichen Protagonisten besetzt werden können, und muss die Frauen in der Regel doppelt besetzen.

Ähnlich verhält es sich mit der Band-/Orchesterbesetzung, denn auch hier weiß man nicht genau, welche Musiker und Instrumente einem zur Verfügung stehen werden. Allerdings lässt sich hier die Problematik ein wenig entschärfen, da wir – im Gegensatz zu den Darstellenden auf der Bühne – auch externe Instrumentalisten hinzunehmen. So lassen sich vielfältigere Orchestrierungen realisieren, auch wenn Stücke mit voller Streicherbesetzung oder übermäßig viel Blech weiterhin kaum möglich sind.

Unabhängig von den möglichen Mitwirkenden ist eine gewisse Bekanntheit des Stückes von großem Vorteil. So haben die Aufführenden größeren Spaß daran, ein Stück zu erarbeiten, was sie vielleicht schon mal gesehen haben und können sich Dank unterschiedlicher Aufnahmen leichter auf ihre Rollen vorbereiten. Das Publikum hingegen weiß, was es erwartet, und kommt so zahlreicher als bei einem eher unbekannten Titel. Und da liegt ein großes Problem: die “großen” bzw. erfolgreichen und bekannten Musicals dürfen von Amateurgruppen (und meist auch von anderen professionellen Bühnen) nicht aufgeführt werden, da die Rechte exklusiv bei Stage Entertainment oder anderen Musical-Firmen liegen. “König der Löwen”, “Mamma Mia” oder “Tanz der Vampire” fallen so von vornherein raus. Und die großen Musicals, für die man die Rechte bekommen könnte, scheitern an den Kriterien für die Mitwirkenden. Auch wenn die Rechte für z.B. “Cats”, “Phantom der Oper” oder “Sunset Boulevard” von Amateurgruppen erhältlich sind, so kann man sich dennoch beim Blick auf die Voraussetzungen gut vorstellen, wie unrealistisch ein solches Projekt wäre. 

In Teil II von “Die Qual der Wahl” werden weitere Überlegungen zur Stückauswahl offengelegt sowie die konkreten Entscheidungsfindungen der Vergangenheit erläutert.