Die schwierigste Aufgabe vor Beginn eines solchen Projektes ist die Wahl des “richtigen” Musicals. Dabei müssen viele unterschiedliche Anforderungen und Interessen beachtet und zusammengeführt werden, die sich selten vollständig und zufriedenstellend für alle Beteiligten “unter einen Hut” bringen lassen.

Die größte Unbekannte ist dabei der zukünftige Cast. Zum Zeitpunkt der Stückauswahl hat man nur eine ungefähre Vorstellung davon, wer ein Jahr (oder im aktuellen Fall 1,5 Jahre) später auf der Bühne stehen könnte. Erfahrungsgemäß gibt es mehr singende Mädchen als Jungen, sodass es bei der Rollenverteilung wünschenswert ist, mehr weibliche als männliche Rollen im Stück zu haben. Das ist allerdings bei den wenigsten Musicals der Fall und so muss man froh sein, wenn alle männlichen Protagonisten besetzt werden können, und muss die Frauen in der Regel doppelt besetzen.

Ähnlich verhält es sich mit der Band-/Orchesterbesetzung, denn auch hier weiß man nicht genau, welche Musiker und Instrumente einem zur Verfügung stehen werden. Allerdings lässt sich hier die Problematik ein wenig entschärfen, da wir – im Gegensatz zu den Darstellenden auf der Bühne – auch externe Instrumentalisten hinzunehmen. So lassen sich vielfältigere Orchestrierungen realisieren, auch wenn Stücke mit voller Streicherbesetzung oder übermäßig viel Blech weiterhin kaum möglich sind.

Unabhängig von den möglichen Mitwirkenden ist eine gewisse Bekanntheit des Stückes von großem Vorteil. So haben die Aufführenden größeren Spaß daran, ein Stück zu erarbeiten, was sie vielleicht schon mal gesehen haben und können sich Dank unterschiedlicher Aufnahmen leichter auf ihre Rollen vorbereiten. Das Publikum hingegen weiß, was es erwartet, und kommt so zahlreicher als bei einem eher unbekannten Titel. Und da liegt ein großes Problem: die “großen” bzw. erfolgreichen und bekannten Musicals dürfen von Amateurgruppen (und meist auch von anderen professionellen Bühnen) nicht aufgeführt werden, da die Rechte exklusiv bei Stage Entertainment oder anderen Musical-Firmen liegen. “König der Löwen”, “Mamma Mia” oder “Tanz der Vampire” fallen so von vornherein raus. Und die großen Musicals, für die man die Rechte bekommen könnte, scheitern an den Kriterien für die Mitwirkenden. Auch wenn die Rechte für z.B. “Cats”, “Phantom der Oper” oder “Sunset Boulevard” von Amateurgruppen erhältlich sind, so kann man sich dennoch beim Blick auf die Voraussetzungen gut vorstellen, wie unrealistisch ein solches Projekt wäre. 

In Teil II von “Die Qual der Wahl” werden weitere Überlegungen zur Stückauswahl offengelegt sowie die konkreten Entscheidungsfindungen der Vergangenheit erläutert.