Wie im gestrigen Beitrag “Aller Anfang ist schwer” bereits erwähnt wurde, wird bei unseren Aufführungen im April eine neue Generation Darstellender auf der Bühne stehen. Doch auch hinter den Kulissen ist bei dieser Produktion einiges neu. Viele der “alten Garde” sind heute in leitenden Positionen aktiv und im Kreativteam arbeiten u.a. eine neue Choreographin und ein neuer Regisseur zusammen. Und für mich als Regisseur ist es eine Premiere.

Im Rahmen einer Schulaufführung “Regie zu führen” hat wenig mit dem zu tun, was man im professionellen Theaterleben darunter versteht. Hier geht es weniger um die Lesart und Deutung eines Stückes als um das Anleiten der Mitwirkenden, sich sicher und geordnet auf der Bühne zu bewegen und zu präsentieren und nach und nach ihren Rollen Leben einzuhauchen, um nicht als “tote Fische” im Rampenlicht zu stehen. Unser ehemaliger Regisseur nannte das liebevoll “Personen über die Bühne schieben” – inzwischen weiß ich, was er damit meinte.

Neben dem Umstand, dass die Ausführenden keine ausgebildeten Bühnenprofis sind, schränken natürlich Spielstätte und (technische) Machbarkeit, Ausstattung und Kostüme etc. eine Schulinszenierung ein. Echte Schlangen bekommt man im Schulrahmen ebenso wenig auf die Bühne, wie einen Kleintransporter und so heißt es an vielen Stellen nach kreativen Lösungen suchen, um die Geschichte so nah wie möglich an der Vorlage zu erzählen. In den vergangenen Jahren ist es mir immer wieder aufgefallen, wie sich die regionalen Musicalgruppen voneinander inspirieren ließen und Anleihen an einzelnen Szenen nahmen. Nicht selten findet man im Internet Inszenierungen eines Stücks, die einem als Ideenpool dienen können, wenn einem selber partout nichts einfallen will. Da wir keine Profis sind, sehe ich in diesem Vorgehen nichts Verwerfliches, im Gegenteil: Ich hätte mich gerne an Vorlagen orientiert, mir Anregungen geholt, um meine Vorstellungen, meinen Horizont zu erweitern. Von einem so selten gespielten Stück wie “Whistle down the Wind” existiert aber in den Weiten des World Wide Web leider nur wenig ergiebiges Material. So war ich gezwungen, mir einen eigenen Weg durch das Stück zu bahnen und kann heute, gut drei Monate vor der Premiere, noch nicht vollständig abschätzen, wie aus den vielen kleinen Szenen ein großes Ganzes werden wird. Da ich aber großes Vertrauen in das Ensemble und den Helfenden drumherum habe, bin ich sicher, dass wir einen unterhaltsamen Musicalabend präsentieren werden, auch wenn bis dahin noch viel gearbeitet werden muss.

Eine Sache kann ich aber abschließend schon heute sagen: Es hat großen Spaß gemacht, das Stück mit so vielen tollen Menschen zu erarbeiten. Die individuelle Entwicklung eines jeden einzelnen, die steigende Spielfreude und Bühnensicherheit, das Zusammenwachsen als Gruppe – all das sind tolle Erfahrungen und so kann ich mir inzwischen gut vorstellen, mit diesem Team ein weiteres Stück zu inszenieren. Vor allem, wenn die “toten Fische” von einst, von Beginn an selbstbewusster und lebendiger agieren werden.