Als sich vor gut 25 Jahren die große Musicalwelle über Deutschland ausbreitete, musste man niemandem erklären, wer Andrew Lloyd Webber ist. Der britische Komponist war mit seinen Werken in den Medien nahezu omnipräsent und er war als Werbeträger in eigener Sache auch immer wieder im deutschen Fernsehen zu sehen. Heute sieht das ein wenig anders aus.

Nachdem Andrew Lloyd Webber sich mit seinen frühen Werken (vor allem “Jesus Christ Superstar” und “Evita”) einen Namen gemacht hatte, verbreiteten sich seine Musicals ab “Cats” (1981) in nahezu identischer Ausstattung und Inszenierung rasch um die ganze Welt. In Deutschland sorgte dies dafür, dass für “Cats” das Hamburger Operettenhaus extra umgebaut wurde, für “Starlight Express” (Bochum), für “Das Phantom der Oper” (ebenfalls Hamburg) und später für “Sunset Boulevard” (Niedernhausen) wurden sogar eigene Musicaltheater gebaut. Als “Sunset Boulevard” im Dezember 1995 im Rhein-Main-Theater Deutschlandpremiere feierte, liefen die anderen Webber-Musicals bereits seit neun, sieben und fünf Jahren an ihren deutschen Spielstätten im Dauerbetrieb. Webber war also in Deutschland ein Synonym für Musical.

Man kann nur spekulieren, warum es Webbers nachfolgenden Werken (“Whistle down the Wind” folgte direkt auf “Sunset Boulevard”) nicht gelang, an die großen Erfolge der Vorgänger anzuknüpfen. Als aufmerksamer Beobachter der deutschen Mainstream-Musical-Entwicklung sehe ich Gründe in Webbers zunehmend sehr spezieller Themenwahl (z.B. der Nordirland-Konflikt in “The Beautiful Game”) und seiner musikalischen Experimentierfreude (“Woman in White”), die gar nicht mit der Erwartungshaltung des Publikums (nicht nur in Deutschland), welches gerade mit Disney-Familienmusicals und Jukebox-Musicals wie “Mamma Mia” mit leichter (ich möchte fast sagen “seichter”) Unterhaltung überzogen wurde, korrespondierte. Tatsächlich hat es seit “Sunset Boulevard” keines seiner Stücke geschafft – mit Ausnahme von “Liebe stirbt nie” (Hamburg, 2015), der Fortsetzung seines Welthits “Das Phantom der Oper” – in Deutschland in den En-Suite-Spielbetrieb zu kommen. Nach einem Jahr wurde es allerdings bereits wieder abgesetzt.

So ist es nicht verwunderlich, dass man der jungen Generation Musicalbesucher heute tatsächlich erklären muss, wer Andrew Lloyd Webber ist, denn obwohl viele seiner Songs den meisten bekannt sind, ist er mit seinen Werken in Deutschland nicht mehr so präsent und die letzte große Verfilmung eines seiner Werke ist nun auch schon 15 Jahre her (“Phantom der Oper”).

Weitere biographische Informationen über den Komponisten gibt es natürlich auf Wikipedia, wobei die englischsprachige Seite deutlich informativer ist.