Die normale Schullaufbahn eines Menschen verläuft ungefähr so: Nach dem Kindergarten besucht man eine Grundschule und wechselt nach vier Jahren auf eine weiterführende Schule. Eventuell macht man Abitur und studiert, bevor man schließlich in den Beruf startet.

Viele  Menschen sind froh, die Schule hinter sich zu lassen. Manche blicken gerne in ihre Schulzeit zurück, manche weniger gerne, doch die wenigsten können sich wahrscheinlich vorstellen, wieder in die Schule zu gehen. Manche fürchten sich sogar regelrecht davor. Mein Vater, zum Beispiel, wacht Jahrzehnte nach seinem Schulabschluss immer noch schweißgebadet auf, weil er wieder einmal geträumt hat, dass er sein Abitur wiederholen muss.

Gemeinsames Essen verbindet: Der DXK beim Probenwochenende in Wetzlar

Wie kann es also sein, dass es am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium so viele Ehemalige gibt, die, Jahre nachdem sie ihr Abitur bestanden haben, immer noch in musikalische Projekte involviert sind? Wie kann es sein, dass sich jeden Donnerstagabend eine Gruppe von Menschen in der B-Aula zur Chorprobe zusammenfindet, ein großer Teil davon Ehemalige? Oder dass die Leute aus ganz Deutschland angereist kommen, wenn die Chorleitung plant, eine Geburtstagsüberraschung für unsere musikalische Leitung zu veranstalten?

“Geburtstagsständchen”

Offenbar geht von dieser Schule eine so große Anziehungskraft aus, dass es einigen Schülern einfach nicht möglich ist, mit ihr abzuschließen und sie ihr daher langfristig verbunden bleiben. Auch ich gehöre zu dieser Gruppe Verrückter, die es einfach nicht lassen können, Jahre nach ihren Abiturprüfungen immer noch regelmäßig – oft mehrmals pro Woche – in die Schule zu gehen.

Die Aufnahmen für die Examensarbeit sind geschafft. (Links die Verfasserin des Beitrages)

Meine – und die vieler anderer – langfristige Verbundenheit zu unserer ehemaligen Schule lässt sich nicht nur auf einen Faktor zurückführen. Es ist vielmehr ein Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Elementen.

Dernierenfeier von “Natürlich Blond” – eine große Familie

Der offensichtlichste ist unsere gemeinsame Liebe zur Musik, zum Tanz und zum Schauspiel. Während unserer Schulzeit hatten wir die Möglichkeit, unsere Leidenschaft im Musikfachbereich des Landgraf-Ludwigs-Gymnasium auszuleben, sei es im Unter-, Mittel- oder Oberstufenchor, im Orchester, im Rahmen der Musical-Veranstaltungen, und und und… Wir hatten die Möglichkeit, uns frei zu entfalten und eigene Ideen einzubringen. Der Technik-Bereich wäre wohl kaum so groß geworden, wenn man unseren größenwahnsinnigen Technikbegeisterten nicht so viele Freiheiten gelassen hätte, sich auszuprobieren.

Gemeinsam ins English Theatre – Abijahrgang 2013-2019 auf einem Foto

Eine große Rolle haben dabei wohl auch unsere größenwahnsinnigen Vorbilder gespielt, die den Musikbereich vollkommen reformiert haben und immer noch ein bisschen mehr drauf gelegt haben. Man verweise an dieser Stelle nur auf den “Käpt’n Chaos” Blogbeitrag. Aus der Idee, ein besseres Unterstufenmusical zu schreiben, ist eine ganze Musicalkultur an unserer Schule entstanden. Allein daran merkt man, wie mitreißend der Größenwahnsinn unserer Herren A und B ist. Diese Mentalität wurde natürlich auch an uns (damalige) Schüler übertragen, ganz nach dem Motto “fördern und fordern”, wie es unser musikalischer Leiter zu sagen pflegt. Wenn es im Musikbereich also Tradition ist, immer ein bisschen drauf zu legen, wieso sollte man dann nicht als ehemaliger Schüler auch ein bisschen drauf legen und einfach noch ein bisschen länger dabei bleiben?

Die Herren A und B bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: Weihnachtsbaum schmücken!

Zu guter Letzt wäre es einfach furchtbar schade gewesen, all diese Aktivitäten aufgeben zu müssen. Deshalb ist es umso schöner, dass wir – auch nach unserem Abschluss – noch an diesen großartigen Projekten teilhaben können, die uns schon zu unserer Schulzeit so viel Freude bereitet haben. Es ist auch schön, mehr Verantwortung im Hintergrund übernehmen zu können und damit vielleicht unsere größenwahnsinnigen Ermutiger ein wenig entlasten zu können (auch wenn ihnen dann bestimmt direkt wieder etwas Neues einfällt).

Ich denke, ich spreche für viele, wenn ich sage, dass unsere alte Schule für uns mittlerweile viel mehr als nur ein Ort ist, an dem wir früher einmal in Klassenzimmern gesessen haben und – mehr oder weniger spannende – Dinge gelernt haben. Stattdessen verbinde ich mit dieser Schule Freundschaften, die sowohl während als auch nach meiner Schulzeit entstanden sind und viele tolle Erinnerungen. Ich bin sehr froh, ein Teil dieser coolen Truppe zu sein!