10:24 Uhr. Heute ist ein komischer Tag. Nach dem Aufstehen (zum Glück Semesterferien) fühle ich mich so energiegeladen. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich die letzten Tage in der Turnhalle mit dem Aufbau unseres Musicals verbracht habe und diese Nacht in etwa so viel Schlaf hatte, wie die letzten vier Tage zusammen. Aber heute ist ja auch noch was anderes: Zum ersten mal erkundet unser Ensemble die Bühne von oben und wir versuchen, das zuvor Gelernte im originalen Maßstab umzusetzen.

12:24 Uhr. Wie ihr wahrscheinlich schon mitgekriegt habt, wird nicht nur die Zeit zur Premiere kürzer, sondern auch die Blogbeiträge. Da ich gerade Zeit habe, setze ich mich mal dran, damit wir heute Abend nicht schon wieder im Stress einen Beitrag schreiben müssen. Damit wir nachher gut proben können, stellten wir gestern bereits das Bühnenbild fertig, währenddessen sich das Orchester aufbaute. Darüber schrieben wir ja gestern schon, aber als wir uns gestern für einen Moment in die Halle setzten mit Blick auf Bühne und Bühnenbild und zusätzlich noch dem Soundcheck des Orchesters lauschten, wurde klar, dass sich aller Aufwand bis jetzt doch gelohnt hat. Ich für meinen Teil habe glaube ich noch nie so viel Energie in ein Projekt gesteckt wie in dieses (Hoffentlich kommt das noch im Studium…).

Die ein oder andere Requisite, sollte man noch einmal “sanieren”

13:42 Uhr. Eigentlich beginnt die Probe erst um 17 Uhr, aber gestern fiel uns noch auf, dass wir am Bühnenrand zu wenig Platz für das Bühnenbild und Requisiten haben. Nach einer Diskussion, ob nicht vielleicht doch das Bühnenbild einfach zu groß ist, entschieden wir doch lieber schlafen zu gehen und dafür heute nochmal einen Arbeitseinsatz anzusetzen. Also nachher Leiter aufbauen und Probleme beseitigen. Aber erst einmal Kostüm, Essen und andere nützliche Helfer, wie Halsbonbons und Ingwertee, einpacken.

14:53 Uhr. Endlich wieder am LLG. Habe den Ort bereits vermisst. Ich sollte mal zusammenrechnen, wie viele Kilometer ich schon für dieses Musical zurückgelegt habe, da ich immer vom Rand des Landkreises nach Gießen pendeln darf. Hoffentlich hat schon irgendwer Kaffee gekocht und wie sieht es mit unserem aktuell größten Problem aus? Eigentlich sollte die Halle pünktlich zum Musical fertig werden, aber es fehlen immer noch Kleinigkeiten, die schnell zu einem großen Problem werden können. Zwar haben wir etwa 60 Scheinwerfer im Einsatz, um das Musical zu beleuchten, aber aufgrund einer fehlenden Steuereinheit, lässt sich die Deckenbeleuchtung aktuell noch nicht ausschalten. Ich sehe da parallelen zu anderen Bauprojekten in Deutschland. Die haben es nicht so mit ausschaltbaren Licht. Gerade so etwas sollte erklären, warum so viel Zeit jetzt noch einmal in dieses Musical fließt. Zwar war unsere Planung sehr detailliert im Vorfeld, aber es kommen immer noch Probleme dazu, mit denen man nicht gerechnet hat.

Danach können wir erst einmal staubsaugen

16:37 Uhr. Arbeitseinsatz beendet. Wir haben nun mehr Platz am Bühnenrand, was viele Szenen und Umbauten während den Aufführungen erleichtern sollte. Die Bühne ist Einsatzbereit und immer Darsteller trudeln so langsam ein. Mit einem Kaffee in der Hand rede ich mit anderen hobbylosen Mitwirkenden, welche mit mir die letzten Tage und Nächte hier verbracht haben. Mit Blick auf die Bühne sind wir uns einig, dass wir doch einen wirklich guten Job gemacht haben. Jetzt liegt es am weiteren Ensemble das Musical auf die Bühne zu bringen. Übrigens geht das Hallenlicht nun aus.

17:23 Uhr. Fleißig werden Mikrofone an Darsteller geklebt. Anschließend geht es für die Darsteller zum Schminken. Als Person männlichen Geschlechts habe ich ja generell nicht so viel Erfahrung, was schminken angeht und gerade für Musicals muss man halt extrem mit der Schminke übertreiben, damit man das auch in den letzten Reihen sieht. Schon ein wenig gewöhnungsbedürftig mit unzähligen Schichten Schminke sich dann endlich einzusingen.

18:53 Uhr. Aus dem Orchestergraben (bei uns eher Orchestergarage) erklingen die ersten Töne. Das ist das zweite mal, dass wir mit Orchester proben. Früher mit Probenpianist hatte man noch Freiheiten, da dieser sich auch mal nach den Darstellern gerichtet hat. Das Orchester spielt mit Metronom knall hart durch, also sollten wir besser unsere Einätze kriegen.

Nun ist es viel zu spät. Die Probe war doch sehr chaotisch. Zum einen kamen neue Szenen dazu, die wir erst jetzt stellen konnten, da wir dazu die Begebenheiten der Halle benötigten, zum anderen ist die Umstellung auf Bühne und vor allem die musikalische Untermalung Orchester doch noch anfangs ungewohnt. Je weiter Probe verlief, desto mehr Probleme traten auf. Hierbei war zum Beispiel das runterwerfen eines Sektglases einer Darstellerin auf der Bühne noch mit das Kleinste. Nachdem einige Darsteller nach der Probe schon auf dem Heimweg wahren, wurden Probleme behoben. Wir arbeiteten noch einmal am Bühnenbild, sprachen noch einmal den Umbau des Bühnenbildes während der Aufführungen mit der Regie durch oder tauschten einen Fernseher für die Dirigentenkamera gegen einen größeren, damit die Darsteller auch ihre Einsätze erkennen.

Groß genug?

Jetzt heißt es ausruhen, denn die nächste Probe lässt nicht wirklich auf sich warten. Morgen steht noch einmal das Selbe an wie heute mit der zweiten Besetzung und einige Solisten kriegen noch einmal ein extra Coaching.

Weitere Bilder werden im morgigen Blogbeitrag folgen, da wir noch bis spät in die Nacht hinein Proben werden. Wer noch keine Karten für unser Musical hat, sollte sich dringend welche besorgen, denn von den vielen Musicals am LLG wird das (genauso wie die letzten Produktionen) eines der sehr guten und man wird sicherlich genau so gut unterhalten, wie beim Schlagermarathon der Stars Samstag Abend 20:15 Uhr in der ARD.