Autor: MB (Seite 1 von 2)

Noch 26 Tage – Das Orchester

Es soll Musicalaufführungen geben, die ohne Live-Musik auskommen, aber Hand auf’s Herz: dabei geht viel an Stimmung und Atmosphäre verloren. Damit wir als Schulgruppe gar nicht erst auf die Idee kommen, unsere SängerInnen zu Playbacks singen zu lassen, wird dies von Seiten des Verlages vertraglich unterbunden. Eine der größten Herausforderungen besteht daher bei jedem Projekt in der Zusammenstellung eines Orchesters (oder im Falle von FAME: einer Band), welches in der Lage ist, die Originalpartitur, welche in der Regel für Profimusiker im West End und am Broadway geschrieben wurde, in Klang zu realisieren.

Optimale Probenbedingungen sehen anders aus.

Im Gegensatz zu den Darstellenden auf der Bühne müssen die OrchestermusikerInnen die komplette Show durchmusizieren, dürfen sich nicht nur auf einzelne Nummern konzentrieren, sondern müssen mindestens zwei Stunden konzentriert bei der Sache sein und dabei je nach Instrument zwischen 80 und 150 Seiten Notenmaterial “abliefern”. Das ist wirklich nur mit viel Üben und intensiver Probenarbeit möglich.

Das wird eng: das Orchester im Geräteschuppen der Turnhalle.

Wenn man das alles berücksichtigt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich das nur schwer mit aktuellen Schülerinnen und Schülern realisieren lässt, auch wenn wir darum “stets bemüht” sind. In diesem Jahr gingen uns durch die Terminverschiebung insgesamt vier MusikerInnen “verloren”, die wir nach und nach zu ersetzen hatten. Das Ergebnis ist eine bunte Truppe aus musicalbegeisterten Instrumentalisten der Schule, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der “näheren” Umgebung (ich bin nicht sicher, inwieweit Würzburg und Oberursel noch darunter fallen), die sich gemeinsam der schwierigen und fordernden Partitur von David Cullen und Andrew Lloyd Webber angenommen haben.

Komplett mikrofonierte Orchesterprobe – klingt gleich ganz anders.

Unsere Bläser sind Emily und Paula Ripplinger (Horn und Klarinette/Bassklarinette), Kathrin Haag (Piccolo- und Querflöte) und Anna Michel (Tenorsaxophon). Als Streicher kommen mit Christina Geiger, Runa Niedecken & Selina Ranft drei aktuelle Schülerinnen an der Geige zum Einsatz, die von den erfahreneren Bettina Kühn, Laura Melchior und Lisa Sabelfeld unterstützt werden. Das Violoncello wird von Julia Hamborg gespielt, welche sehr kurzfristig für unsere “etatmäßigen” Cellistinnen eingesprungen ist. Die Rhythmusgruppe setzt sich aus Felix Hölscher, Maximilian Lich und Simon Wilhelm (alle Keyboard), Elric Große und Christian Ziegler (E-Gitarre), Christoph Patzak (E-Bass) und Johannes Funk (Drums) zusammen. Die geschlechtliche Aufteilung zwischen akustischen und elektronisch verstärkten Instrumenten ist übrigens rein zufällig…

Noch 59 Tage – Der Musik-Förderverein

Als sich in den Jahren 2009 und 2010 langsam abzeichnete, dass am LLG eine neue Musikkultur entstehen würde, wollten engagierte Eltern den Einsatz ihrer Kinder und des Musikkollegiums nach Möglichkeit unterstützen. So wurde im Juni 2011 der Musik-Förderverein des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums (e.V.) gegründet.

Dieser Verein hat sich in seiner Satzung zum Ziel gesetzt, speziell die musikalische Ausbildung unserer Schülerinnen und Schüler zu stärken und neue Ausgestaltungsmöglichkeiten im musisch-künstlerischen Bereich zu schaffen. Dazu gehört auch und vor allem die finanzielle Förderung in Form von Anschaffungen (Instrumente, Technik) und die finanzielle Unterstützung in Form von Aufführungen.

Im Laufe der letzten acht Jahre wurden so u.a. vier Orchesterpauken, eine hochwertige große und kleine Trommel sowie ein Tamtam und ein Xylosynth erworben und zahlreiche weitere große und kleine Instrumente angeschafft. Die technischen Anschaffungen wie Ton- und Lichtpult wurden bereits an anderer Stelle vorgestellt.

Im Vorfeld einer Musicalproduktion leistet der Musik-Förderverein eine Art Anschubfinanzierung, da er bei der Materialmiete in Vorleistung tritt. Bisher konnten wir das Geld am Ende einer Produktion immer zurückzahlen (ToiToiToi!), aber selbst wenn dies einmal nicht gelänge, so würde er uns nicht im Regen stehen lassen und mögliche Verluste so gut es geht auffangen.

Die inzwischen gut 130 MitgliederInnen des Musik-Fördervereins, die sich vor allem aus Eltern und aktuellen und ehemaligen SuS zusammensetzen, werden im Vorstand durch den 1. Vorsitzenden Herrn Prof. Dr. Martin Buhmann, dem stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Johannes Adamietz, Schatzmeisterin Frau Barbara Durstewitz-Hermann und Schriftführerin Frau Katrin Schwalb vertreten. Besonders bemerkenswert ist es, dass Herr Buhmann, obwohl seine Tochter Naomi (übrigens Roloff-Preisträgerin 2018) das LLG bereits 2017 mit dem Abitur verlassen hat, sich über die aktive Schulzeit seiner Tochter hinaus als Vorsitzender bei uns engagiert. Dafür sei an dieser Stelle, ebenso wie allen anderen, herzlich gedankt.

Hier können Sie das Beitrittsformular für den Musik-Förderverein herunterladen, falls auch Sie zukünftig unsere Arbeit unterstützen möchten. Wir würden uns sehr darüber freuen!

Noch 64 Tage – Musik am LLG – ein Überblick

Entsprechend dem wunderbaren Rückblick auf die Schultechnik von Paul Hermann möchte ich an dieser Stelle einen kurzen Blick zurück auf die gesamtmusikalische Entwicklung unserer Schule und deren aktuellen Stand werfen, da man sonst den Eindruck bekommen könnte, dass außer Musical bei uns “nichts laufen” würde.

Als ich 2007 an das Landgraf-Ludwigs-Gymnasium kam, gab es musikalisch noch nicht besonders viel. Es gab zwei Musikkollegen und zwei Musikreferendarinnen, die den Musikunterricht der ganzen Schule abdecken mussten. Es gab bereits den Unterstufenchor und gelegentlich so etwas wie einen “Schulchor” für die Älteren. Eine Musical-AG war gerade am Auslaufen, da dies von der damaligen Schulleitung nicht gewünscht war.

Der Unterstufenchor bei “Käpt’n Chaos und die Schatzinsel” (2009)

Da er damals fehlte, gründete ich einen Mittelstufenchor, um den SuS (Schülerinnen und Schülern! Nicht: Schülern und Studenten!) durchgehend die Möglichkeit zu geben, in einem Chor zu singen. Für ein Weihnachtskonzert 2008 wurde versucht, auch schuleigene Instrumentalisten mit einzubinden. Die Kirche (damals noch die Pauluskirche in unmittelbarer Nähe zum LLG) war voll, die Resonanz überwiegend positiv und ein erster Schritt war getan.

Historisches Dokument: das Programm des 1. Kammermusikabends am LLG – noch mit Tippfehler

2009 erblickte dann “Käpt’n Chaos” das Licht der Welt und der Kammermusikabend, der “fortgeschrittenen” Instrumentalisten eine Plattform bieten sollte, fand zum ersten Mal statt. Im Jahre 2010 wiederholten sich diese Veranstaltungen, allerdings war in der Zwischenzeit ein kleines Orchester gegründet worden. Dieses existiert auch heute noch (und wird z.T. sehr tatkräftig von Ehemaligen unterstützt). In der Tat war/ist es so, dass alle neuen Musikangebote, die im Laufe der Zeit dazukamen, noch heute Bestand haben. Nach einer kurzen Unterbrechung haben wir seit 2011 einen U-, M- und O-Chor, haben ein Orchester und führen jährlich einen Kammermusikabend auf. Seit 2014 wird an diesem außerdem der Helmut-Roloff-Preis verliehen, ein Musikförderpreis für SuS, die mit besonderem Engagement für die musikalische Arbeit an der Schule tätig waren. Der wohl bekannteste Preisträger ist Martin N. Spahr, der als Kapellmeister am Gießener Stadttheater tätig ist und Mitbegründer der LLG-Musical-Company ist. Hinzu kam 2012 der sogenannte “Klaviermarathon”, quasi ein Spendenkonzert für den Musikförderverein, bei dem alle Pianisten/innen aus dem Schulumfeld in Erscheinung treten können. Beim “Klaviermarathon Plus” reicht es, wenn das Klavier als Begleitinstrument eingesetzt wird.

Sommerkonzert 2014 – wenige Stunden später ging Brasilien mit 1:7 gegen Deutschland unter.

Aus dem 2013 veranstalteten Benefizkonzert für das Projekt “150.000” (Sportfeld) ging 2014 das Sommerkonzert hervor. Im Herbst 2013 fand das erste Oberstufenmusical statt, im Frühjahr 2015 vervollständigte das Mittelstufenmusical die Auftrittsmöglichkeiten für musiktheaterinteressierte SuS. Ebenfalls im Herbst 2013 wurde der schuleigene Frauenchor für aktuelle und ehemalige Schülerinnen gegründet, der heute unter dem Namen “DamenXingkreis” auch außerhalb der Schule auftritt.

Der DamenXingKreis auf dem Gießener Weihnachtsmarkt 2018

Und so sieht das musikalische Kalenderjahr seit 2015 ungefähr so aus wie auch im Jahre 2019:
21.02.2019 – Kammermusikabend
05.04.2019 – Premiere Oberstufenmusical: WdtW
17.06.2019 – Premiere Mittelstufenmusical: UFO – Kein Wunsch ist Schnuppe
25.06.2019 – Sommerkonzert (mit den Schulbands)
13.09.2019 – Premiere: Käpt’n Chaos feiert Geburtstag
14.09.2019 – Premiere: Chaos-Gala zum 10. Geburtstag
18.12.2019 – Weihnachtskonzert
Auf einen Klaviermarathon wird in diesem Jahr aus Termingründen verzichtet.

Noch 68 Tage – Musik und Bühne

In Deutschland gibt es eine Handvoll Musikverlage, welche die Rechte für komplette Bühnenwerke vertreten. Einer der größten davon ist der in Wiesbaden ansässige Verlag “Musik und Bühne”.

Musik und Bühne vertritt in Deutschland die Werke einiger Verlage, darunter Josef Weinberger, Music Theatre International Europe (MTI) und The Really Useful Group. Es ist wahrscheinlich die Vielfalt des umfangreichen Repertoires, die dazu geführt hat, dass wir bis zum heutigen Tag nur Werke von Musik und Bühne eingekauft haben. “Whistle down the Wind” ist quasi die 4,5. Zusammenarbeit (die halbe Zusammenarbeit ist eine andere Geschichte) mit Wiesbaden.

Bei unseren ersten beiden Produktionen wurden wir von Jutta Hoffmann betreut, die sich im Sommer 2015 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedete. Seitdem ist Felicitas Geipel unsere Ansprechpartnerin, die uns in allen Fragen und Problemsituationen kompetent zur Seite steht.

In meinen zwei Besuchen in den Wiesbadener Verlagsräumen – einmal zum gemeinsamen Kaffee mit der sich verabschiedenden Jutta Hoffmann und einmal zur Partitur-Einsicht von “Whistle down the Wind” – durfte ich sie persönlich kennen lernen und inzwischen weiß ich, dass sie als Musicaldarstellerin im Ensemble des Jungen Staatsmusicals Wiesbaden tätig ist.

Facebook-Profilbild von Felicitas Geipel, welches sie nach eigener Aussage “ganz gerne mag”. Uns gefällt es auch!

“Wie klein die Welt ist” kann man gut an einer kurzen Anekdote (oder heißt das “Funfact”?) sehen: In Marburg gibt es eine semiprofessionelle Musicalgruppe, bei der überwiegend ehemalige DarstellerInnen der Schulgruppen von Gießen und Wetzlar mitsingen. Im Juni diesen Jahres wird dort “Fast normal” Premiere feiern und sie wird dort die Rolle der Diana singen. Mit ihr wird u.a. Jonas Blahowetz auf der Bühne stehen, der seine ersten Schritte auf der großen Musicalbühne bei der LLGMC in “Jekyll & Hyde” und “Natürlich Blond” gegangen ist. Dass wir selber 2017 “Fast normal” fast aufgeführt hätten, ist wie gesagt eine andere Geschichte.

Aktuell stehen wir wieder in Kontakt, auf der Suche nach einem Musical für den Herbst 2020 – ich bin davon überzeugt, dass wir auch dann wieder ein Stück von Musik und Bühne aufführen werden.

Noch 69 Tage – Unser Käpt’n ist der Größte!

In einigen Beiträgen ist es bereits angeklungen: Käpt’n Chaos ist an unserer Schule nicht mehr wegzudenken und seine Bedeutung für die musikalische Entwicklung ist unstrittig und anerkannt. Im Jahre 2019 ist es zehn Jahre her, dass unser chaotischer Käpt’n das erste Mal ins große Rampenlicht trat.

Ob das für die Gala auch gelten wird?

Da man bekanntlich die Feste feiern soll, wie sie fallen, nehmen die Herren A und B den 10. Geburtstag von Käpt’n Chaos zum Anlass, ihn (und irgendwie auch uns) gebührend zu feiern. Deshalb: save the date! Am 14. und 15. September diesen Jahres kehrt Käpt’n Chaos erstmalig seit 2012 (‘Käpt’n Chaos und der vielleicht allerletzte Kaiser”) auf die große Bühne der Turnhalle A zurück, denn dort wird eine große Gala zu seinen Ehren veranstaltet.

Frau S am Klavier.

Die Herren A und B höchstselbst werden durch das Programm führen, welches musikalisch von einem extra einberufenen Chaos-Orchester unter der Leitung von Frau S (warum eigentlich nicht “C”?) die größten Hits der 80er, 90er, nein, Blödsinn, die größten Hits aus Käpt’n Chaos 1-9 begleitet wird. Die Arrangements für diesen Abend befinden sich gerade in der Entstehungsphase und fünf Nummern daraus verhalfen unserer Dirigentin bereits zu 15 Punkten in ihrer Examensarbeit: herzlichen Glückwunsch!

Szene aus “Käpt’n Chaos – …und wenn sie nicht gestorben sind”

Natürlich müssen die Songs auch gesungen werden und deshalb werden viele “alte Bekannte” in ihren Rollen von 2009 bis 2018 auf die Bühne zurückkehren. Aktuell sind wir dabei, möglichst viele der ehemaligen Darsteller, die natürlich z.T. schon lange Abitur haben und über Deutschland verteilt leben und studieren, zusammen zu suchen und zu einer Rückkehr zu bewegen. Die Resonanz auf unser Ansinnen ist bis jetzt ausschließlich positiv und so blicken wir alle voller Vorfreude auf den September, wenn es heißt “Käpt’n Chaos feiert Geburtstag – Die Gala”. Merkt Euch den Termin und feiert dann mit, es werden bestimmt zwei unvergessliche Abende.

Noch 76 Tage – Und darum geht’s!

Wie bereits in anderen Beiträgen erwähnt, hatte es das Musical “Whistle down the Wind” von Andrew Lloyd Webber und Jim Steinman schwer, sein Publikum und seinen Weg auf eine deutsche Bühne zu finden. Das liegt, sicherlich nicht nur, aber auch an der etwas ungewöhnlichen Handlung des Stückes.

Basierend auf dem Film “Whistle down the Wind” (auf deutsch: “…Woher der Wind weht”) entwickelte Andrew Lloyd Webber gemeinsam mit Patricia Knop und Gale Edwards eine Bühnenfassung der Geschichte rund um die drei Geschwister Swallow, Brat und Poor Baby.

Die Handlung setzt Ende der 1950er Jahre in einem Dorf in Louisiana kurz vor Weihnachten ein. Ein entflohener Sträfling (“Der Mann”) wird von Swallow und ihren Geschwistern in der eigenen Scheune entdeckt und durch ein Missverständnis für Jesus Christus gehalten. Gemeinsam mit den anderen Kindern des Dorfes verstecken sie ihn dort vor den Erwachsenen, die alle Hebel in Bewegung setzen, um den Flüchtigen wieder dingfest zu machen.

Eingebettet in diese Rahmenhandlung rückt Swallow mit ihren Geschwistern und dem Vater in den Blickpunkt, die alle gemeinsam den Tod der Mutter zu verwinden suchen, welche ziemlich genau vor einem Jahr verstarb. Die Suche nach einer Antwort auf das “Warum?” lässt die Kinder intensiv die Nähe des vermeintlichen Heilands suchen, der mit seinen unkonventionellen Antworten nicht alle gleichermaßen erreicht.

Der Mann und sein Gleichnis

Swallow selbst befindet sich darüberhinaus auch in einer persönlichen Findungskrise auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Die Gefühle, die der Mann in ihr weckt, sind ihr vollkommen fremd und die zarten Annäherungsversuche ihres Freundes aus Kindertagen, Amos, weiß sie zunächst auch nicht einzuordnen. Dass Amos außerdem plant, mit seiner Freundin Candy die Gegend zu verlassen, entspannt die Situation auch nicht unbedingt und wer sind eigentlich diese Reisenden, die ein Erweckungstreffen in der Heiligen Nacht planen?

Swallow und Amos

Noch 81 Tage – Meist herrscht hier Chaos

“Werbung!” – die meisten meiner Musikklassen und -kurse kennen diesen Ausruf und danach folgt meist die Ankündigung einer schulkulturellen Veranstaltung zu deren Besuch ich motivieren möchte. Dabei ist es egal, ob es um Aufführungen der “English Theatre Group” oder beispielsweise um das Weihnachtskonzert geht, einfach da ich der Überzeugung bin, dass man sich innerhalb einer Schulgemeinde so gut es geht unterstützen sollte.

Also auch hier einmal: WERBUNG!

Typische Chaos-Szene, Beispielbild

Auch wenn gerade große Teile der musikalischen Schulgemeinde mit vollem Einsatz und ihrer ganzen Konzentration an den Vorbereitungen für die Premiere von “Whistle down the Wind” arbeiten, laufen im Hintergrund selbstverständlich bereits die Planungen für darauffolgende Veranstaltungen. Und da hat der September 2019 etwas besonderes zu bieten: Käpt’n Chaos feiert seinen 10. Geburtstag!

Ankündigung der Neuinszenierung des 1. Teils 2016

Aus diesem Anlass sitzt der Kollege A seit den Sommerferien regelmäßig an Klavier und Laptop und schreibt am neunten Teil der Reihe (der 1. Teil wurde 2016 in überarbeiteter Fassung noch einmal aufgeführt) mit dem klangvollen Namen “Käpt’n Chaos feiert Geburtstag”. In dem fast fertiggestellten Stück lädt der Käpt’n Freunde und Bekannte aus den bisherigen Teilen zur Feier und dabei läuft chaostypisch natürlich nicht alles rum.. äh… rund. Neben den beliebtesten Songs der vergangenen Teile werden auch neue Melodien zu hören sein. Premiere ist am 13. September 2019 um 19:00 Uhr.

Der Unterstufenchor im Jahre 2012

Das Casting im Unterstufenchor wurde bereits im November 2018 durchgeführt und seitdem wird die Jubiläumsaufführung vorbereitet. Zufall oder nicht: ein großer Teil der neuen Hauptdarsteller steht auch schon bei “Whistle down the Wind” als “Kinder” auf der Bühne. Die übernächste Generation steht also schon in den Startlöchern.

Noch 82 Tage – Das Stück

Das Musical “Whistle down the Wind” ist das 12. Stück, das von Andrew Lloyd Webber für die Bühne komponiert wurde. Es folgte damit auf “Sunset Boulevard”, welches im Jahre 1993 Premiere hatte und das vermutlich letzte “große und erfolgreiche” Musical des Komponisten darstellt.

Die Handlung basiert, wie auch schon bei “Sunset Boulevard”, auf einer Filmvorlage, die in Deutschland allerdings weitgehend unbekannt ist. Als Textschreiber wurde mit Jim Steinman allerdings jemand verpflichtet, der vor allem als Komponist und Produzent von u.a. Meat Loaf und Bonnie Tyler bereits einen großen Namen hatte. Spätestens mit dem Musical “Tanz der Vampire”, welches auf Songs von Steinman basiert, wurde er ab den späten 90ern auch dem geneigten Musical-Fan im deutschsprachigen Raum zu einem Begriff.

Anders als die meisten anderen Webber-Musicals wurde “Whistle down the Wind” weder in London noch in New York uraufgeführt. Die Premiere fand am 12. Dezember 1996 in Washington, D.C. statt und war als Testlauf für eine Broadway-Produktion gedacht. Da das Stück aber bei Publikum und Presse gleichermaßen durchfiel, wurde auf weitere Aufführungen verzichtet.

Doch Webber und Steinman glaubten an das Potential ihrer Zusammenarbeit und veröffentlichten 1998 ein Konzeptalbum, auf dem namhafte Sängerinnen und Sänger (u.a. natürlich Bonnie Tyler und Meat Loaf) Songs aus dem Musical interpretierten. Der Song “No matter what” von Boyzone wurde zum erfolgreichsten Musical-Hit aller Zeiten und beschließt im Stück den ersten Akt. Inspiriert vom Erfolg des Albums folgte am 1. Juli 1998 die West End Premiere, die es durch einen neuen Regisseur und einen “düstereren” Ansatz auf respektable 1044 Aufführungen (zum Vergleich: “Cats” brachte es in London auf 8949 Aufführungen) brachte. Eine Cast-Aufnahme zu der Produktion erschien 1999 und ist weitgehend mit der von uns gespielten Fassung identisch. Ebenfalls übereinstimmend sind die Orchestrierungen (bis auf ein paar zusätzliche Musiker bei der Aufnahme) von David Cullen (u.a. auch “Das Phantom der Oper” und “Aspects of Love”) und Andrew Lloyd Webber.

Nach dem West End Erfolg gab es noch Tournee-Produktionen durch England und die USA, sowie ein West End Revival 2006. Seitdem stehen die Aufführungsrechte in England und den USA auch für Amateure zur Verfügung, auf eine deutschsprachige Fassung musste man allerdings lange warten. Die deutsche Übersetzung von Nina Schneider gibt es seit Sommer 2017 und wurde im Mai 2018 in Wiener Neustadt, Österreich uraufgeführt. Die gleiche Übersetzung wird auch bei unseren Aufführungen im April zu hören sein.

Noch 86 Tage – Der Komponist

Als sich vor gut 25 Jahren die große Musicalwelle über Deutschland ausbreitete, musste man niemandem erklären, wer Andrew Lloyd Webber ist. Der britische Komponist war mit seinen Werken in den Medien nahezu omnipräsent und er war als Werbeträger in eigener Sache auch immer wieder im deutschen Fernsehen zu sehen. Heute sieht das ein wenig anders aus.

Nachdem Andrew Lloyd Webber sich mit seinen frühen Werken (vor allem “Jesus Christ Superstar” und “Evita”) einen Namen gemacht hatte, verbreiteten sich seine Musicals ab “Cats” (1981) in nahezu identischer Ausstattung und Inszenierung rasch um die ganze Welt. In Deutschland sorgte dies dafür, dass für “Cats” das Hamburger Operettenhaus extra umgebaut wurde, für “Starlight Express” (Bochum), für “Das Phantom der Oper” (ebenfalls Hamburg) und später für “Sunset Boulevard” (Niedernhausen) wurden sogar eigene Musicaltheater gebaut. Als “Sunset Boulevard” im Dezember 1995 im Rhein-Main-Theater Deutschlandpremiere feierte, liefen die anderen Webber-Musicals bereits seit neun, sieben und fünf Jahren an ihren deutschen Spielstätten im Dauerbetrieb. Webber war also in Deutschland ein Synonym für Musical.

Man kann nur spekulieren, warum es Webbers nachfolgenden Werken (“Whistle down the Wind” folgte direkt auf “Sunset Boulevard”) nicht gelang, an die großen Erfolge der Vorgänger anzuknüpfen. Als aufmerksamer Beobachter der deutschen Mainstream-Musical-Entwicklung sehe ich Gründe in Webbers zunehmend sehr spezieller Themenwahl (z.B. der Nordirland-Konflikt in “The Beautiful Game”) und seiner musikalischen Experimentierfreude (“Woman in White”), die gar nicht mit der Erwartungshaltung des Publikums (nicht nur in Deutschland), welches gerade mit Disney-Familienmusicals und Jukebox-Musicals wie “Mamma Mia” mit leichter (ich möchte fast sagen “seichter”) Unterhaltung überzogen wurde, korrespondierte. Tatsächlich hat es seit “Sunset Boulevard” keines seiner Stücke geschafft – mit Ausnahme von “Liebe stirbt nie” (Hamburg, 2015), der Fortsetzung seines Welthits “Das Phantom der Oper” – in Deutschland in den En-Suite-Spielbetrieb zu kommen. Nach einem Jahr wurde es allerdings bereits wieder abgesetzt.

So ist es nicht verwunderlich, dass man der jungen Generation Musicalbesucher heute tatsächlich erklären muss, wer Andrew Lloyd Webber ist, denn obwohl viele seiner Songs den meisten bekannt sind, ist er mit seinen Werken in Deutschland nicht mehr so präsent und die letzte große Verfilmung eines seiner Werke ist nun auch schon 15 Jahre her (“Phantom der Oper”).

Weitere biographische Informationen über den Komponisten gibt es natürlich auf Wikipedia, wobei die englischsprachige Seite deutlich informativer ist.

Noch 87 Tage – Unser Käpt’n ist der Größte

“Unser Käpt’n ist der Größte. An ihn reicht auch keiner ran. Käpt’n Chaos ist der Beste. Gegen ihn kommt keiner an.” heißt es in einem Song des 2. Teils von Käpt’n Chaos “Käpt’n Chaos und der Fliegende Holländer” und tatsächlich ist seine Bedeutung für die Entwicklung der Musik am LLG und insbesondere der Musicalarbeit an unserer Schule nicht hoch genug einzuschätzen und zu würdigen.

Plakat zum ersten Teil mit nur zwei Abendaufführungen

Eigentlich fing alles ganz harmlos an: nach der Aufführung des Unterstufenmusicals 2008 unter der Leitung von Herrn A sagte Herr B, dass er nicht bereit sei, bei “so einem Mist” nochmal mitzuhelfen, so Stücke könne man sicher besser selber schreiben. Dann war der Kollege A im Segelurlaub und kam mit einer Idee zurück und nach den Weihnachtsferien gab es eine fertige Fassung von “Käpt’n Chaos und die Schatzinsel” und im Juni 2009 betrat unser liebenswerter und schusseliger Sir Williams Puzzlement aka Käpt’n Chaos das erste Mal die “große” Bühne in der E-Aula, denn bis dahin hatten Aufführungen nur im Musiksaal der Schule stattgefunden. Wir hielten diesen Umzug für ein ziemliches Wagnis, im Nachhinein kann man über unsere Unsicherheit nur lächeln oder den Kopf schütteln.

Der geistige Vater von Käpt’n Chaos: Herr A.

Schon bei den Proben zum 1. Teil wurde uns klar, dass dieser Käpt’n mehr zu erzählen hat als nur diese eine Geschichte und nachdem die Aufführungen zu einem großen Erfolg wurden, waren wir uns einig, dass ein zweiter Teil her musste. So kam 2010 “Käpt’n Chaos und der Fliegende Holländer” auf die Bühne und im Jahr darauf “Käpt’n Chaos im Wilden Westen”. Die Reihe begann in der Schulgemeinde Kultstatus zu entwickeln und baute seine eigene Fangemeinde auf. Die nächsten wichtigen Schritte auf dem Weg zum “großen” Musical waren die Gründung des Musikfördervereins, der uns fortan bei allen Aktionen unterstützte, und die Aufführungen von “Käpt’n Chaos und der vielleicht allerletzte Kaiser” im Herbst 2012. Für den vierten Teil der Reihe wurde nämlich in die Turnhalle A umgezogen und statt eines Klaviers begleitete ein eigens gegründetes Musicalorchester das neueste Abenteuer unseres Titelhelden. Die technischen Voraussetzungen waren nun geschaffen und so war der Schritt zum Oberstufenmusical dann nur folgerichtig und fand im darauffolgenden Jahr 2013 mit “FAME” statt.

Den bisher letzten Teil der Reihe sahen Anfang 2018 über 1000 Zuschauer in fünf ausverkauften Abendveranstaltungen und zwei Schulaufführungen

Es erscheint mir an dieser Stelle unmöglich, all die wichtigen Entwicklungen aufzuzählen, die Käpt’n Chaos bei uns angestoßen hat, und gebührend auf die einzelnen Teile einzugehen, aber ich möchte schon jetzt darauf hinweisen, dass demnächst auch hier auf der Seite der LLG Musical Company umfangreiche Informationen zu unserer Schulmusicalreihe auftauchen werden. Und eine knappe Schlussbemerkung: viele Darstellende von “Whistle down the Wind” haben bei Chaos das erste Mal im Rampenlicht gestanden und haben bereits dort ihre Liebe zum Musiktheater entdecken dürfen. Und wenn ich in den aktuellen Unterstufenchor mit seinen fast 100 Mitwirkenden sehe, erblicke ich großes Potential für die Zukunft.

Unsere “Candy” Emily Goer als “Ping Pong” im vierten Teil von Käpt’n Chaos 2012
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