Autor: Mathis Görke

Noch 78 Tage – Schach Mat(his) – mein Leben als Springer

“Hallo, mein Name ist Emmett Forrest, Abschlussjahrgang ’15 und für euch da.”, lautete mein erster Satz als Hauptdarsteller. Davor stand ich zwar auch schon bei den vorigen Musicals auf der Bühne, allerdings “nur” als Ein-Springer.

Bei der ersten großen Musicalproduktion Fame erlangte ich die Rolle als Goodman King, eine Rolle, die das Spiel einer Trompete voraussetzt. Dadurch, dass ich einer der wenigen war, die es im Orchester spielten und ich in der Oberstufe war, blieb für mich quasi keine andere Rolle übrig. Allerdings nahm ich sie gerne an und hatte sehr viel Spaß. Bei einem sogenannten Vocal Coaching fand ich heraus, dass ich doch kein Bass, sondern hoher Bariton bin. Der erste Schritt für andere, größere Rollen wurde somit gelegt.

Und ich war so jung… Goody, Keule und Schlomo bei ihrer ersten Probe

Getrieben von meinem ersten regelmäßigen Gesangsunterricht und einigem Zuspruch bewarb ich mich beim nächsten Musical meiner (seit 2015 ehemaligen) Schule auf die Hauptrolle: den Jekyll (bzw. den Hyde – je nachdem welche Seite man betrachtet. Das ist wie mit der Medaille…). Wie das Vorsingen lief, weiß ich zwar nicht mehr, aber die Hauptrolle bekam ich leider nicht. Die nachfolgend größten Rollen wurden ebenso nicht an mich vergeben. Dafür spielte ich ua. Simon Stride (Rivale von Jekyll), Spider (einen Zuhälter), den Priester, einen Apotheker, einen Zeitungsjungen und weitere Rollen während der Show. Somit stand ich trotzdem gefühlt dauerhaft auf der Bühne. Den Zuschauern schien es zu gefallen. Meine Stimme wurde von zwei Lehrern, die ich damals auch im Unterricht hatte, als “dickes Rohr” bezeichnet. In der Zeitung wurde ich ebenso positiv erwähnt, trotz der kleinen Rollen. Mir gefiel es, andersartige Rollen zu spielen, die eben nicht so brav waren, sondern etwas abstruser, komplexer und düsterer.

Simon Stride, Spider, Priester, Zeitungsjunge, Apotheker… in einer Person (linker Regenschirm)

Ich hatte Blut geleckt, ich hatte Lust auf “Blut in den Kiemen”.

Das darauffolgende Musical war Natürlich Blond, für das ich mich auf die zweitgrößte männliche Hauptrolle, den Professor Callahan bewarb. Callahan war eben diese abstruse, düstere Rolle – der Bad-Guy. Sein Song „Blut in den Kiemen“ gefiel mir sehr gut. Dieser ironische Blues-Charakter klingt nicht nur gut, sondern verleiht der Rolle Überheblichkeit und Gehässigkeit. Eine andere Rolle wurde für mich quasi nicht mehr interessant (außer vllt. ein paar Nebenrollen), und schon gar nicht wollte ich die langweiligste Rolle des Stückes spielen: den lieben, netten Emmett Forrest. Beim Vorsingen wurde mir gesagt: „,Blut in den Kiemen‘ war zwar ganz gut, hast du ‚Tritt in den Hintern‘, die Emmett-Rolle vorbereitet?“ „Nein.“ „Nun gut, du hast 20 Minuten Zeit, danach kommst du bitte nochmal rein“. Also lernte ich innerhalb von 20 Minuten den doch längeren Text von „Tritt in den Hintern“, sang ihn fast auswendig vor und bekam dann das vernichtende Urteil: „Wir planen dich für mehrere Rollen ein. Du speilst mit Arndt ein paar Nebenrollen und Emmett Forrest abwechselnd.“ Um den Workload machte ich mir keine Gedanken, ich machte ja nur mein Abitur in der Zeit und hatte danach noch die Sommerferien. Auf die anderen Nebenrollen freute ich mich, mit dem Emmett jedoch, konnte ich erstmal nichts anfangen. Die Probenzeit verstrich, Arndt und ich wechselten uns brav ab und die teilweise merkwürdigen Nebenrollen machten den Emmett erträglich zu spielen. Schließlich erreichte uns im Sommer die Nachricht, das Musical muss wegen Krankheit einer Führungsperson verschoben werden. Arndt konnte nicht mehr an der Produktion teilnehmen, weil er außerhalb studierte und somit wurden mir die Nebenrollen entzogen und ich bekam den Emmett komplett. Was am Anfang erstmal ein großer Schock war, war rückblickend betrachtet vielleicht doch ganz in Ordnung. Somit konnte ich lernen, auf der Bühne in zweifacher Sicht als verantwortungsvoller Mensch auf der Bühne stehen. Erstens als verantwortungsvoller Emmett, der die Hauptdarstellerin Elle erst erkennen lässt, wer sie ist und zweitens als Darsteller, der die neu auf der Bühne stehenden Schüler an die Bühne heranführt und ihnen Mut zuspricht.

Emmett Forrest und Elle Woods kurz vor der Schlusspose

Mit WdtW sollte es nun den kompletten Umbruch geben und weil meine Mutter am ursprünglichen Premierentermin Geburtstag hatte, konzentrierte ich mich auf die Technik, worin ich vor allem Paul Hermann unterstütze, und wurde zum Leiter des Gewerks Bühnenbild. Die Proben begannen ohne mich als Darsteller, stattdessen wurden Bühnenbild und Technik entworfen, gebaut und programmiert und schließlich musste die Premiere aufgrund der Hallensituation deutlich nach hinten verlegt werden. Aufgrund dessen konnte unsere damalige Besetzung des Boone nicht mehr an dem Musicalprojekt teilnehmen. Katrin Schwalb und Martin Ballmeier kamen ein paar Wochen, nach dem Verlust des Darstellers auf mich zu mit den Worten: „Wir müssen reden“. Ich fing an, über die Darstellersituation zu reden, beschrieb das Problem und die daraus folgende Lösung, dass ich den Boone spielen müsste. Beide nickten und schauten mich mit großen Kulleraugen an. Schließlich beantwortete ich mir die mir selbst gestellte Frage und sagte zu ihnen: „Ich übernehme die Rolle“. Beide waren ziemlich erleichtert. Wir erstellten einen Probenplan für mich, der nicht mit den Zeiten meiner Module (ich studiere übrigens Eventmanagement und -technik an der THM) kollidierte und fingen an, zu Proben. Trotz der recht „langweiligen“ Rolle des Vaters freue ich mich ungemein, mit „meinen“ Kindern auf der selbst gestalteten Bühne zu stehen und noch einmal die Atmosphäre auf, aber auch hinter der Bühne genießen zu dürfen.

Ich bin gespannt, was das LLG sonst noch so für mich bereit hält. Interessant wird es auf jeden Fall!

Noch 85 Tage – Die Lichttechnik

Die Lichttechnik ist eine wichtige Abteilung für die Umsetzung des Stückes. Die Hauptaufgabe besteht darin, die passende Umgebung für die Szene zu schaffen, die Blicke der Zuschauer auf bestimmte Punkte zu lenken und dafür zu sorgen, dass die Darsteller nicht im Dunkeln stehen.

Die Arbeit fängt damit an, zusammen mit der Regie das Textbuch oder den Klavierauszug des Stückes durchzugehen und dabei Anforderungen an die Lichtstimmungen für alle Szenen herauszuarbeiten, wobei die Regie uns beim Design viele Freiheiten gelassen hat (bei vergangenen Musicals arbeitete der Regisseur das Lichtdesign noch selbst aus).

Wenn das geschehen ist, können erste Entwürfe angefertigt werden, welche Scheinwerfer wo positioniert werden um das geplante Ziel zu erreichen. Wichtig ist hierbei auch, dass Videotechnik und Bühnenbild in die Planung mit einbezogen werden.

Sobald der Aufbauplan ausgereift ist, kann damit zum Technik-Vermieter gegangen werden, um abzuklären, was davon alles machbar ist und wie viel es kostet. Häufig müssen an dieser Stelle leider einige Ideen geändert werden, da diese zu teuer sind, allerdings gestaltet es sich daher auch als spannende Herausforderung, möglichst kosteneffizient ein flexibles Design zu erarbeiten.

Sobald das Angebot grob stimmt, kann mit der Vorprogrammierung angefangen werden. Wie im Beitrag zur 3D-Planung bereits erwähnt, bauen wir die Bühne dreidimensional am Computer nach und können darin bereits das Licht vorprogrammieren, was uns die Arbeit später vor Ort deutlich vereinfacht und uns hoffentlich einige lange Programmiernächte (wie bei “Natürlich Blond”) erspart.

Wir sind inzwischen am Punkt der Vorprogrammierung angekommen und haben bereits ein fertiges Design erarbeitet, was größtenteils auch schon mit der Firma “CB Akustik” ausgearbeitet ist.

Eingesetzt wird sehr unterschiedliches Licht: Es kommen einfarbig weiße Scheinwerfer für die Grundbeleuchtung, mehrfarbige Scheinwerfer für diverse Effekte bis hin zu motorisiert bewegten Scheinwerfern für Spezialeffekte und Beleuchtung von einzelnen Positionen zum Einsatz.

Besonders ist dieses Jahr, dass ein Großteil der ausgewählten Scheinwerfer mit LED Leuchtmitteln arbeitet und wir damit teilweise pro Scheinwerfer 90% weniger Strom verbrauchen als bisher.

Inzwischen wird fleißig mit dem neuen Lichtpult vorprogrammiert, aber es wird noch einige Abende den Programmierern Kaffee die Kehle herunter laufen, bis das Stück komplett fertig programmiert ist. Wir sind gespannt, wie unser Konzept am Ende in echt aussieht und das Licht das Szenenbild und die Stimmung unterstützt.