Autor: Katrin Schwalb

Noch 12 Tage – Zwischenstand Durchlaufprobe

Puh! Was soll ich sagen. Diese Durchlaufproben… hab ich recht?! Ebenso wie das Ensemble hatte auch das Orchester an diesem Wochenende zweimal acht Stunden Probe. Das erklärt auch, warum dieser Blogbeitrag möglicherweise sprachlich nicht einwandfrei geschrieben werden wird: Ich schreibe ihn als die vertretende Orchesterleitung nach harter und getaner Arbeit, um dem Orchester noch einmal meinen Respekt zu zollen.

Orchester Durchlaufprobe

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Deshalb danke an unsere Keyboards, die nach den Proben noch länger geblieben sind, um ihre Sounds aufeinander abzustimmen: Felix, der schon in der Schulband ziemlich krasses Zeug am Keyboard abgeliefert hat, aber in dieser Produktion mit seinen Improvisationskünsten sämtliche Nummern zu Highlights verwandelt. Simon, der neben seinem Abitur noch die Muße findet, sich unangenehm schnelle Streicherläufe in die Finger zu arbeiten. Max, der als einziger waschechter Keyboarder nochmal ganz eigene Erfahrungen mit in die Gruppe bringt.

Danke an unsere Gitarren: Christian, der trotz der vielen anderen Musicalprojekte, für die er inzwischen von überall her angefragt wird, noch wie ganz selbstverständlich zu uns kommt und aus lauter Spaß an der Freude mitmacht, und Elric, der als Musical-Neuling in jeder Probe neue Fortschritte macht und damit als einer unserer Nachwuchsmusiker gilt. Und danke an unseren Bass: Christoph, der seit er sein Praktikum am LLG gemacht hat, nicht aus unseren Proben wegzudenken ist und mir mit Strenge vor allem bei bandlastigen Passagen beratend und korrigierend zur Seite steht. Danke an DEN Schlagzeuger: Johannes, ohne Dich könnten wir das eh alles lassen. Also wirklich. Wir könnten es dann einfach lassen.

Danke an unsere Bläser: Kathrin an der Flöte und der Piccoloflöte, ohne die die Schnulzen nicht halb so kitschig schön wären. Paula an der Klarinette, die genauso gut grade weit weg und international studieren könnte, sich aber trotzdem für uns an die furchtbar schnellen und komplizierten Läufe setzt. Anna am Saxophon, die wir gerade erst seit der letzten Probe aus der JLU rekrutiert haben, ohne die aber die Bandnummern nur halb so cool wären. Emily am Horn, die aktuelle Roloff-Preisträgerin, deren Engagement an dieser Schule ungeschlagen bleibt.

Danke an unsere Streicher, zunächst die Geigen: Bettina, die trotz ihres Referendariats noch unserer Gruppe helfend zur Seite springt. Runa, die als unser Nesthäkchen einen großartigen Job als erste Geige macht. Laura, die wir ebenso gerade erst zu unserer Gruppe hinzufügen konnten, deren Begeisterung für Musical allerdings nochmal einen ganz frischen Wind in unsere Streichersektion gebracht hat. Christina und Selina (irgendwie unzertrennlich, deshalb auch hier zusammen), die sich ebenfalls während ihres Abiturs die Zeit nehmen, unsere Streichersektion zu verstärken. Und Lisa, die mit ihrer E-Geige entsprechende Stellen des Stücks so viel cooler macht. Und danke an unser Cello: Julia, ebenfalls ein Neuzugang unserer Gruppe, die auf der einen Seite Balladen noch “balladiger” (Ist das ein Wort? Es sollte eins werden.) macht, und auf der anderen Seite Rocknummern noch rockiger.

Nochmal zusammengefasst: Danke!!! Wegen Euch war dieses Wochenende nicht (nur) anstrengend, sondern hat auch ziemlich viel Spaß gemacht. Ohne Euch wäre dieses Projekt eine ganze Menge weniger witzig, leidenschaftlich, und vor allem: weniger gut. Ein Hoch auf Euch! Und bis nächstes Wochenende, wenn wir das ganze direkt wiederholen!

Noch 47 Tage – Rückblick Natürlich Blond

Habt ihr schon mal pinke High Heels gesucht, die nicht billig aussehen, in denen man halbwegs sicher tanzen kann und deren Pinkton zu möglichst vielen anderen Pinktönen passt? Oder weiße Leinenhosen, die weder nach Tante Hildegard im Strandurlaub, noch nach recycletem Mehlsack aussehen? Oder nach einem Munitionsgürtel, in den kleine Jägermeisterflaschen passen? Nein? Dann lasst Euch mal von diesem Projekt namens “Natürlich Blond” erzählen, das die LLGMC 2016 auf die Bühne gebracht hat…

Der Munitionsgürtel ist rechts neben dem Bauchladen.

Nach “Fame” und “Jekyll & Hyde”, die jeweils auf ihre Art und Weise ernste Themen behandeln, kam die Verkündung des nächsten Stückes recht überraschend. “Natürlich Blond” ist ein Showstück durch und durch und zunächst traf die Auswahl unter den prinzipiell Teilnahme-Interessierten auf Irritation und Skepsis. Nach den ersten szenischen Proben wurde jedoch jedem schnell klar: ach Du Sch…ampoo-und-Spülung-in-einem, wird das witzig!

Kleine Film- und Musicalzitate dürfen natürlich nicht fehlen.

Was das Projekt von den vorherigen unterschieden hat – außer dem Offensichtlichen wie der Stimmung und der Ernsthaftigkeit – war die Intensität, mit der ein jeder Mitwirkender zum Gelingen der Produktion beigetragen hat. Die Dreistimmigkeit der drei Freundinnen von Elle, die kleinen Einzelheiten der Nummer “Schwul oder Franzose”, das sekundengenaue Timing der Junggesellinnen – das alles musste und wurde mehrfach geprobt, bis wir wie ein eingespieltes Team auf einmal auch Aufgaben außerhalb der Probenzeit übernahmen.

Vielseitige Kleiderständer mit Wäschesäcken.

Noch in der Intensivprobenzeit wurde gemeinsam an Details wie dem Banner für den Haarsalon von Paulette oder der DIN A 3 Verlobungsglückwunschkarte für Elle gebastelt. Die Kostüme und kleine Einzelheiten wie oben genanntem Munitionsgürtel für eine Junggesellinnen-Party wurden ebenfalls gemeinsam im Ensemble und dessen Bekanntenkreis zusammengetragen. Das Bühnenbildkonzept bestand im Wesentlichen aus Kleiderständern mit leeren Kleidersäcken, was der Inszenierung einen modernen Touch und den DarstellerInnen mehr Raum zum miteinander Schauspielern gab.

Ein wirklich starkes Ensemble.

Die Atmosphäre, die während der Vorbereitungszeit entstand, machte auch die Intensivprobenzeit viel angenehmer. Letzte Tanzproben, das Anpassen der Inszenierung an die finale Spielstätte der A-Turnhalle und die Proben mit dem Orchester waren zwar anstrengend, aber auch eine Zeit, in der man unter Freunden viel Spaß am Stück selbst, aber auch in Pizzapausen, in der Maske oder beim Mikrokleben hatte.

Eindeutig ein Kostümhighlight: Annika Weber als Paulette. Angeblich trägt sie das Outfit noch heute heimlich in ihrer Wohnung…

Was ich heute noch von dem Stück in Erinnerung habe, sind vor allem die stressigen, aber witzigen Umziehzeiten mit Hilfe von vielen, vielen Maskenmädels, das Klamottenteilen mit Lorena, das Outfit von Annika und die Tipps zur perfekten Mischung von Ingwer-Zitronen-Tee von Sabrina, die in der Probenzeit in der kalten Halle sehr wertvoll wurden. Außerdem natürlich viele Ohrwürmer, die Aufregung und der Spaß, mit dem alle Beteiligten die Aufführungen so viel besser als vorher gestaltet haben. Ihr Lieben: es war mir wirklich ein Fest!

Noch 58 Tage – Einblick Vocal-Coaching

Bisher haben wir nur über den Gesang durch die Chorproben geschrieben. Doch auch die Gesangssoli müssen geübt werden. Das Anleiten dieses Übens ist dieses Jahr insofern noch wichtiger als sonst, als dass unsere diesjährige Solistenbesetzung vor allem aus Musical-Neulingen besteht.

Herr B am Klavier – Eleganz pur.

Ein Glück haben wir mit dem Herrn A einen Stimmprofi in unserem Team. Seit der ersten Produktion der LLGMC sorgt er beim Solo-Gesang für den letzten Schliff. Mit einfachen Tipps wie “Wirf mal den Stuhl da durch den Raum!” oder “Stell Dir vor, Du hättest einen Helm auf!” gab er dem einen oder anderen von uns schon sehr amüsante, aber auch sehr hilfreiche Coachingstunden. Wenn dann noch der Herr B am Klavier sitzt und hier und da mal Kommentare wie “Das war jetzt aber nur Sparflamme!” oder “Mimimi mal nicht so rum, hau halt raus!” einstreut, entsteht die lockere und konstruktive Atmosphäre, die einem als Neuling die Scheu vor’m solistischen Singen nimmt.

Der Nachwuchs beim Gruppen-Coaching. Und aus der einstigen Schülerin ist inzwischen eine Lehrerin geworden: Frau S.

Ohne das Vocal-Coaching beim Herrn A hätte Marijan wohl so manchen Rhythmus nicht auf die Kette bekommen, würde ich heute noch alles über dem g’ in Klein-Mädchen-Kopfstimme singen und würde Mathis vielleicht immer noch nicht wissen, dass er eigentlich Tenor ist. Für diesen Artikel habe ich deshalb diverse aktuelle und ehemalige Musical-SängerInnen um ein Statement zum Thema “Vocal-Coaching bei Herrn A” gebeten. Mit dieser Auflistung möchten wir einmal gesammelt “Danke” sagen: Dafür, dass wir uns dank Dir bzw. Ihnen immer weiter entwickeln konnten und zukünftig dürfen.

Eines der seltenen Fotos des kamerascheuen Herrn A – hier beim Vocal-Coaching für Fame 2013

“Man fühlt sich sehr wohl bei Herrn A und Herrn B und kann alles frei machen. Dazu kommt man mit den Tipps und Tricks von Herrn A leichter in die Höhen oder Tiefen, als man denkt.” (Leah Falkenstein als Swallow)

“‘S gut. Geht gut in die Höhen. Ein qualitativ hochwertiges und professionelles Vocal-Coaching. 10 out of 10, would sing again. Top.” (Jan Schulz-Nigmann als Earl)

“‘Stell dir vor, du trägst einen Astronautenanzug und willst den ganzen Raum zum klingen bringen.’ – ‘Äh.. was, so?’ – ‘Jetzt schick den Ton den Rücken hinunter.’ – ‘Okay.’ – ‘Ja genau so, sehr gut. Weiter.’ Diese und ähnliche Imaginationstechniken halfen erstaunlicherweise, das heute selbst das hohe g gar kein Problem mehr ist. Auch wenn man so manches nicht immer sofort versteht, Vocal Coachings mit Herrn A sind immer wieder (bier- und) lehrreich.” (Annika Weber als Miss Sherman (2013), Nellie (2014) und Paulette (2016))

“Bester, Gilde!!!” (Katrin Schwalb als Serena (2013), Lucy (2014) und Elle (2016))

“In seinen Vocal-Coachings schafft es Herr A, super viel Klang aus einem herauszuholen. Und das, indem man sich oftmals ein wenig skurrile Dinge vorstellen soll, wie z.B. dass der Klang aus dem Rücken nach hinten davongetragen wird, oder dass man sich vorstellen soll, die eigenen Füße seien fest im Boden verwurzelt. So ein Vocal-Coaching ist schon ein Erlebnis… und sehr zu empfehlen, wenn man den letzten Rest Klang aus sich herausholen möchte!” (Tobias Conrad als Joe (2013), Dr. Jekyll/Mr. Hyde (2014) und Diverse (2016))

“Dem Herrn A ist eine positive Stimmung so wichtig, dass er mir oft sagt, ich soll nicht immer so böse gucken, wenn ich singe!” (Johanna Peller als Brat)

“Treffende Zusammenfassung meiner Erfolge durch das Vocal Coaching: ‘Du hast es und Du weißt, Du kannst es, also mach es auch!’ – Herr A über das g’.” (Mathis Görke als Goody (2013), Diverse (2014), Emmett Forest (2016) und dieses Jahr als Vater)

“Immer wieder faszinierend, wie mit kleinen Kniffen so viel aus der eigenen Stimme rausgeholt werden kann. Die vielen neuen Tipps haben mir auch immer zuhause beim Üben geholfen.” (Lorena Glatthaar als Elle (2016))

“Er schafft es, das Beste aus dem vorhandenen Talent herauszuholen, und bietet immer wieder verrückte Vorstellungen, die einem erstaunlicherweise auch noch helfen. Außerdem würd’ ich’s mit ‘nem sehr großen Ironiefaktor beschreiben!” (Erik Radtke als Mann)

“Von den vielen Vocal Coachings ist das eines der sehr guten!” (Denes Lich als Amos)

“Danke!!!” (wahrscheinlich jeder, der mal vom Herrn A gevocalcoacht wurde)

Noch 62 Tage – Einblick Kinderchor

Das Highlight unserer Produktion? Mir fallen viele mögliche Antworten ein. Die Hauptdarsteller zum Beispiel arbeiten Freitag für Freitag sehr hart an ihrer Performance. Das Bühnenbild sieht großartig aus, ebenso wie die technischen Effekte. Das Orchester ist hochkarätig besetzt. Die Tänzerinnen trainieren seit Monaten. Alle diese Mitwirkenden werden tolle Beiträge zu diesem Projekt liefern und ich bin beeindruckt von den Leistungen, die in diesen Bereichen erbracht werden, aber ich glaube und hoffe, keiner im Team wird mir sauer sein, wenn ich hier mein persönliches Highlight vorstelle: Denn es sind unsere Kleinsten, die uns allen die Show stehlen werden!

Unser Oberstufenmusical wird dieses Mal tatkräftig von insgesamt 24 Unterstufenschülerinnen und -schülern unterstützt, die sich mächtig ins Zeug legen, um dem Anspruch eines “großen” Musicals zu genügen. Dafür wurden sie durch unsere hauseigene Musicalreihe “Käpt’n Chaos” von unserem hauseigenen Herrn A bestens vorbereitet.

Und so waren wir nur ein bisschen überrascht, als sich herausstellte, dass der solistische Gesang sehr schnell aufgeteilt werden konnte und die Zweistimmigkeiten für diese Gruppe kein Problem darstellte. Egal ob Tanz oder Schauspiel, ob ihre Aufgabe darin besteht, auf der Bühne Ball zu spielen oder eine schwierige Gesangspassage zu lernen, diese Kinder geben 150 Prozent und scheinen viel Spaß daran zu finden. Wir hatten uns eigentlich nur erhofft, dass sie putzig, wie sie sind, über die Bühne laufen, und das hätte uns bereits gereicht. Stattdessen bringen sie noch dazu frischen Wind in die Freitagsproben und heben den Spaßfaktor auf eine ganz neue Ebene. Was wir bekommen haben, übersteigt unsere Erwartungen bei Weitem.

Noch 62 Tage - Einblick Kinderchor

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Man könnte meinen, mit so vielen kleinen, quirligen, verspielten, chaotischen Menschen wird so eine Freitagsprobe schnell anstrengend, sowohl für die Kinder als auch für die Probenleitung, und meistens, sein wir ehrlich, stimmt das auch – tatsächlich empfinde ich die Kinderchorproben aber trotzdem als unglaublich erfrischend. Im Gegensatz zu uns leistungsorientierten Erwachsenen, egal ob Oberstufenschülerinnen und -schüler, Ehemalige oder Lehrer, singen und spielen die jüngsten Mitwirkenden mit einer derart ansteckenden Begeisterung, dass bei unserer großen Sitzprobe vor ein paar Wochen sich keiner von uns “Großen” zurückhalten konnte, sobald die “Kleinen” ihren Song “Die Kinder an die Macht!” gesungen haben. Dass hin und wieder doch ein paar falsche Töne dabei sind, kommt mir und allen anderen hier in der LLG MC völlig unwichtig vor, wenn strahlende Kinder ihren Spaß an der Musik ausdrücken.

Noch 67 Tage – Rückblick Jekyll & Hyde

Die Produktion von “Jekyll & Hyde” des Jahres 2014 war nach “Fame” (2013) unsere zweite. Viele der Darstellerinnen und Darsteller aus dem Jahr zuvor kehrten für diesen Musicalklassiker zurück auf die Bühne der Turnhalle A und viele neue Gesichter schlossen sich unserer AG an.

Unser Mr. Hyde (Tobias Conrad) bei seiner Lieblingsbeschäftigung: Aufräumen!

“Jekyll & Hyde” ist als Stück weniger ensembleintensiv als “Fame”. Es gibt eine klarere Trennung zwischen Haupt- und Nebenrollen. Verteilte sich die Bühnenzeit einer/s jeden Darstellenden bei “Fame” noch relativ gleich, so gab es hier nun einen klaren Hauptdarsteller, der in so gut wie jeder Szene spielte: unser Dr. Jekyll bzw. Mr. Hyde wurde von Tobias Conrad gespielt. Die beiden nächstgrößeren Rollen waren die beiden Damen an seiner Seite, seine Verlobte Lisa (Sabrina Ludwig und Bianca Poloschek) und die Unterhaltungskünstlerin Lucy (Katrin Schwalb und Marijan Engeln). Übrigens und Achtung Spoiler: Wie, Lucy stirbt?

“Unterhaltungskünstlerin” Lucy (Katrin Schwalb) – noch lebendig.

Was mir besonders gut in Erinnerung geblieben ist, ist die dunkle und eindrucksvolle Stimmung, die durch das Stück vermittelt wurde. Die liebevollen und zärtlichen Momente zwischen Jekyll und Lisa wurden abgelöst von düsteren und spannungsgeladenen Ensembleszenen, anzügliche und augenzwinkernde Szenen im Unterhaltungsetablissement der “Roten Ratte” waren schnell durch die ernsten Gespräche eines Krankenhausgremiums wieder vergessen. Durch ein minimalistisches Bühnenbild wie bereits bei “Fame” konnte mehr Fokus auf die Arbeit mit Lichteffekten gelegt werden, sodass mich heute noch fasziniert, wie unser “Gefährliches Spiel” allein durch Ikea-Lampen zu einer der beeindruckendsten Szenen der LLG-Musical-Company wurde.

Das Dach unserer Turnhalle war defekt, daher die vielen Regenschirme. Inzwischen wurde das Dach aber im Rahmen einer energetischen Sanierung erneuert.

Ich persönlich verbinde mit dieser Produktion mehr als nur das Projekt selbst: Zum ersten Mal durfte ich die Probenarbeit mit dem Chor in Zusammenarbeit mit Tristan Niedecken übernehmen, eines meiner Stücke als Lucy habe ich in meiner Aufnahmeprüfung zum Musik-Lehramtsstudium gesungen und ich durfte mit so vielen mir noch heute lieben Freunden zusammen auf der Bühne stehen, wie z. B. mit den oben genannten HauptdarstellerInnen, mit Annika Weber als Nellie bei “Mädchen der Nacht”, Mathis Görke als meinem “Arbeitgeber”, oder Julia, Giulia, Lorena, Salome, Sarah etc. pp. im Ensemble, unterstützt von so vielen, uns noch heute unterstützenden Orchestermusikern… letztlich mit so vielen, dass man sie gar nicht alle namentlich erwähnen kann!

Verlobungsfeier: Lisa (Sabrina Ludwig) und Dr. Jekyll.

Noch 70 Tage – Darsteller Casting

Vor ein paar Tagen schrieb ich einen Beitrag zur bekanntmachenden Präsentation des Stückes, und dass ich diesen Tag als einen der spannendsten Termine einer Produktion empfinde. In chronologischer Reihenfolge kommt dieser Termin wohl als nächstes: das Casting.

War man bereits als Teilnehmender eines solchen Castings aufgeregt, so stelle man sich mal vor, wie aufgeregt die Leitungsebene erst ist: Das Stück ist bereits ausgesucht, die zur Verfügung stehenden Rollen sind klar und die Anforderungen an die einzelnen Gesangsparts stehen im Fokus – and here they come: die vielen Schülerinnen und Schüler, die sich um die Rollen bewerben. Werden wir für jede Rolle eine passende Kandidatin/einen passenden Kandidaten finden? Vielleicht auch zwei für eine Doppelbesetzung? Kann jede/jeder unserer guten Sängerinnen und Sänger in einer Rolle untergebracht werden? Haben wir unsere Ressourcen an Mitwirkenden richtig eingeschätzt? Wer hat sich verbessert, mit welcher Stimme haben wir überhaupt nicht gerechnet, welche Überraschung kommt als nächstes durch die Tür…?

War das jetzt gut?

Ein bisschen kitschig, aber mich als Mitglied des Casting-Teams fasziniert der Zauber dieses Tages. Die Enthüllung, ob unser Konzept überhaupt umsetzbar ist, und die Entwicklung einer Besetzung sind für mich wie der eigentliche Start der Produktion, auch wenn bis zum Casting bereits viele Arbeitsschritte erledigt wurden.

Die “Jury” – Herr A und die weibliche Produktionsleitung

Als Gecastete ist man natürlich mehr nervös als freudig aufgeregt. Ich erinnere mich an die quälenden Minuten kurz vor dem Moment, in dem ich als damals Teilnehmende die B-Aula betreten und mein Können beweisen musste. Damals hatte ich noch nicht verstanden, dass es nicht (nur) um das Können, sondern vor allem um das Potential geht. Beim Casting geht es nicht darum, am nächsten Tag auftreten zu können, sondern darum, dass Entwicklungspotential vorhanden ist (und das ist bei jedem vorhanden), ebenso wie die Bereitschaft, sich in das Team einzubringen und einzufügen und vor allem darum, dass das Castingteam spürt: “Da hat aber jemand richtig Bock!”

Wer sich alleine nicht traut, kommt eben zu zweit.

Deshalb hier mein Tipp für alle zukünftigen Casting-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer: Die Casting-Jury ist unglaublich froh darüber, dass ihr Euch bei uns meldet, also lasst Euch bei aller Nervosität nicht den Spaß am Singen nehmen! Wir freuen uns auf Euch!!!

Noch 72 Tage – Einblick Chorarbeit

Chorarbeit an der Schule hat die Tendenz, sich sehr kurzfristig anzufühlen. Durch die Gebundenheit an Schulkonzerte gibt es in jedem neuen Halbjahr einen straffen Zeitplan, an den sich zu halten versucht wird. Schließlich möchte man den Zuhörern am Weihnachtskonzert besinnliche Klänge und am Sommerkonzert abwechslungsreiche Sounds und überhaupt hohe Qualität bieten können. Schnell passiert es, dass vor allem die Töne geprobt werden, um möglichst sicher auftreten zu können.

Erst das Einsingen…

Bei unserem Musicalchor ist das etwas anders! Monatelang werden Lieder ähnlicher Stilrichtungen geprobt, ähnliche Melodien, ähnliche Mehrstimmigkeiten, sodass die Töne sich schnell wiederholen. Hier findet sich Zeit für gemeinsame Stimmbildung, für die Bewusstmachung einzelner musikalischer Charakteristika der Stücke, für das Üben der Kombination aus darstellerischer Präsenz und gesanglicher Leistung.

Dann das Einstudieren des Notentextes…

Bei “Whistle down the Wind” tritt es sogar verhältnismäßig oft auf, dass das Ensemble ein und die selbe Melodie an verschiedenen Stellen des Stückes singt. So ist nicht nur Zeit, den Gesang auf sicheren Abruf zu trainieren, sondern auch musikalisch zu arbeiten. Hierfür hat sich die musikalische Leitung zusammengesetzt, um verschiedene Stimmungsnuancen der einzelnen Szenen abzusprechen und zu formulieren. Durch Stichwörter wie “unsicher, fragend”, “stärker, wehrhaft” und “nüchtern, neutral” werden so aus einer einzigen Melodie drei völlig verschiedene Musikstücke, die sich allein über die Art des Gesangs unterscheiden können.

…und die szenische Einstudierung.

Neben der musikalischen Arbeit in Chorproben gibt es aber auch noch andere Aspekte, die während eines solchen Termins wichtig für die Produktion werden können. So sind die regelmäßigen Chorproben z. B. eine gute Gelegenheit, um von den hier anwesenden Ehemaligen einige Tipps und Tricks für die Aufführungen zu erfahren. Hier fielen viele Hinweise wie “Nehmt Euch für die Endprobenphase eine Decke und viel Tee mit!” und “Zieht Euch die Übeplaybacks auf das Handy, dann könnt ihr sie überall hören!”, die ich persönlich als goldwert einschätze.

Ein weiterer schöner Aspekt einer solchen Chorprobe ist, dass das Ensemble außerhalb ihrer Rollen im Stück Zeit miteinander verbringt. Die Teilnehmenden haben vielleicht mit dem Sitznachbarn/der Sitznachbarin vor der Produktion gar nichts zu tun gehabt, und plötzlich unterhalten sich eine Neuntklässlerin und eine Quasi-Abiturientin über gemeinsame Hobbys und ein Ehemaliger des Tenors gibt einem der aktuellen Darstellenden Tipps, wie er seine hohen Töne auch privat trainieren kann.

Und irgendwann singen alle zusammen und mit dem Orchester.

So sehr mir das Chor leiten mit seinen Schwierigkeiten, seinen Möglichkeiten, seinen Aufwendigkeiten und seinen Ergebnissen Spaß macht – als noch viel wertvoller empfinde ich die Zeit, die ich damit verbringen darf, das Ensemble in solchen Proben mitzubetreuen und den Teilnehmenden dabei zuzusehen, wie sie über sich selbst hinaus wachsen und unabhängig von ihrer Rolle im Musical ihren wohlverdienten Platz in unserer kleinen Musicalfamilie finden.

Noch 80 Tage – Projektpräsentation

Eine neue Produktion durchläuft gleich am Anfang viele Phasen: von der Auswahl verschiedener Stücke über die Organisation der Verantwortlichkeiten bis zum Sichten des Materials. Für diejenigen, die später dann auf der Bühne stehen jedoch beginnt die Produktion vor allem mit Unwissenheit, denn jedes Jahr wird ein großes Geheimnis daraus gemacht, welches Musical als nächstes auf die Bühne kommt.

Jetzt wird’s ernst…

Das Geheimnis wird am Tage der Projektpräsentation gelüftet, in dieser Produktion am 6. Oktober 2017. Für mich persönlich ist der Tag der Präsentation bereits als Mitwirkende ein unglaublich spannender Termin gewesen: Man erfuhr, für welche Rolle man sich bewerben kann, welchen Stil die Aufführungen haben werden, malte sich bereits verschiedene Besetzungen aus… Als Mitglied der Produktionsleitung empfinde ich den Tag, glaube ich, als noch aufregender. Die gespannten und erwartungsfrohen Gesichter, in die man blickt, die leisen Gespräche über Spekulationen und vermeintliches Wissen darüber, welches Stück gleich vorgestellt wird – und in dieser Produktion: die Irritation, für die die Vorstellung eines derart unbekannten Stückes sorgte.

Von bitte wem? Michael Jackson…

Allerdings wird nicht nur der so wichtige Stücktitel bekanntgegeben, sondern auch welche und wie viele Rollen es gibt, welche Orchesterbesetzung gebraucht wird, ob es Tanz geben wird, welche Termine als nächstes anstehen etc. pp. Die wichtigste Terminankündigung ist für viele der Anwesenden das Casting. Ein besonderes Herzstück einer jeden Projektpräsentation sind die Musikbeispiele, die die Vorfreude auf das Stück und für die Solointeressierten auch den Ehrgeiz wecken, irgendeine oder auch eine ganz bestimmte Rolle zu ergattern.

Ganz schön vielfältig.

Natürlich wird das Kreativteam vorher eingeweiht. Die Produktionsleitung muss erst sicher gehen, dass für alle Aufgaben die benötigten Verantwortungsträger bereit sind mitzumachen, wie z. B. Kulissenbauer oder Öffentlichkeitsarbeiter. Bei so vielen Mitwissenden kann es natürlich passieren, dass hin und wieder die eine oder die andere Information durchrutscht – schließlich sind wir Verantwortlichen ebenso gespannt und aufgeregt darüber, das Geheimnis zu lüften, wie die Darstellerinnen und Darsteller, die Musikerinnen und Musiker es sind, eben dieses zu erfahren. Ich persönlich habe natürlich nie jemandem… lassen wir das.

Jetzt ist es raus. Was wohl das nächste Mal dort steht?

Und warum machen wir aus der Stückauswahl ein solches Geheimnis? Nun, das wird wohl auf ewig ein solches bleiben…

Noch 97 Tage – Rückblick Fame

Hach, damals! Sieht man sich Fotos aus der Produktion “Fame” von 2013 an, kann man gar nicht glauben, dass ‘erst’ fünf Jahre vergangen sind. Bilder von ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschülern, die inzwischen weit weg wohnen, von inzwischen über die Grenzen Gießens hinaus aktiven Musicaldarstellern (Hallo Tobi!), aber auch von Personen, bei denen die Wahrscheinlichkeit nach all der Zeit noch hoch ist, dass sie demnächst in den Technikraum der Schule kommen, weil sie auch wieder spontan zum Helfen kommen (Hallo Marijan!).

Die Produktion entstand, weil unser hauseigener, größenwahnsinniger Visionär Martin Ballmeier für die in der Musik aktiven Schülerinnen und Schüler eine Umfrage begonnen hatte, die verschiedene Möglichkeiten einer neuen AG gegenüber stellte: eine Musical-AG gewann mit viel Vorsprung. Konsequenz war ein Projekt, das wir Mitwirkenden gar nicht fassen konnten: in der großen Turnhalle statt in der kleinen B- oder E-Aula, mit viel Licht-und-Ton-Aufwand statt nur Licht an und aus und mit so viel Begeisterung, dass bei manchen sogar das Abitur in den Hintergrund rückte (keine Sorge, wir haben alle bestanden).

Noch heute denke ich gern an die Proben und vor allem an die intensiven Wochen kurz vor der Premiere zurück: erste Erfahrungen im Gesang mit Orchesterbegleitung, das schauspielerische Einlassen auf eine Figur, das Arbeiten am Gesang: man wuchs mit jeder Probe über sich selbst hinaus und profitiert noch heute von diesen ersten Erfahrungen auf der Bühne.
Heute bin ich stolz, ein Teil von dem Team zu sein, das diese ersten Erfahrungen einer überwiegend neuen Generation weitergeben kann und will. Und froh darüber, dass viele der damaligen Mitwirkenden heute auf leitender Ebene mit dafür sorgen, dass die Erinnerungen an die Anfänge nicht verloren gehen, denn das war: Hard Work!